Auf dem Weg zur Kritischen Ausgabe der Werke Christine Lavants
Ursula A. Schneider, Annette Steinsiek
im Druck erschienen in:
Profile einer Dichterin. Beiträge des II. Internationalen Christine-Lavant-Symposiums Wolfsberg 1998.
Hg. v. Arno Rußegger u. Johann Strutz.
Salzburg, Wien: Otto Müller 1999. S. 15-36.

Aktueller Zusatz 2007
Aus gegebenem Anlaß gestatten wir uns hier einen aktualisierenden Hinweis.
Die Projekte zu einer Werkausgabe Christine Lavants am Robert-Musil-Institut der Universität Klagenfurt sind mittlerweile abgelaufen.
Die Werkausgabe Christine Lavants liegt inzwischen in anderer Verantwortung und greift auf eigene Konzeption und Forschung zurück, sodaß ein sinnvoller Abschluß in die Nähe rückt.
Für die Einzelbände zeichnen die jeweiligen BandherausgeberInnen. Die gedruckte Ausgabe wird beim Otto Müller Verlag in Salzburg erscheinen (bei dem auch alle Rechte am Werk Christine Lavants liegen). Der elektronische Teil der Edition wird nicht mehr als CD-Rom, sondern als Web-Edition vorgelegt, die leichter erweiter- und korrigierbar und langfristig benutzbar ist.
Inhaltlich ist der Aufsatz immer noch gültig, die von uns als notwendig beschriebenen Änderungen werden nun umgesetzt.
Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert.


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Siglen

Vorbemerkung

Es handelt sich hier nicht um die Präsentation einer fertigen Ausgabe, sondern um die Darstellung von Arbeitsschritten und Problemfeldern. Wir sind 'auf dem Weg' zu einer Ausgabe. Immer wieder müssen neue Erwägungen einbezogen und alte Vorstellungen verabschiedet werden, möglichst ohne auf deren Ergebnisse zu verzichten. Mit den folgenden Ausführungen hoffen wir, die an Christine Lavant Interessierten für die Fragen, die eine Kritische Ausgabe ihrer Werke aufwirft, zu interessieren; wir bemühen uns, die manchmal etwas zähen und fachspezifischen Fragen möglichst nachvollziehbar darzustellen.

Edieren ist nicht nur die zu erlernende Verwendung von fachlichen Mitteln und Methoden zur Umsetzung von in verschiedensten Formen vorliegendem (Schrift-)Material in ein öffentlich nutzbares Medium. Es erfordert auch die Erarbeitung einer Kompetenz, die auf ganz verschiedenen Ebenen liegt; diese ist notwendig für die Entscheidungen über die Form, in der die Texte in der Edition dargestellt werden, wie auch für die Kommentierung - Kommentierung hier einfach verstanden als Summe dessen, was einem Text sinnvollerweise an die Seite gestellt werden kann. Die Kompetenz umfaßt Kenntnisse über die Autorin/den Autor, über die Arbeitsweise und die Produktionsbedingungen, darüber, was und wie sie/er rezipiert hat, über das Selbstverständnis als DichterIn, das Publikationsverhalten und die Kontakte zum Literaturbetrieb und zu KollegInnen. Sie umfaßt EDV-Kenntnisse zur angemessenen und ökonomischen Verwaltung aller Informationen.
   Hinzu kommt der Aufbau von Kontakten zu InformantInnen, hinzu kommt Öffentlichkeitsarbeit als eine Grundlage des Kontaktes zu inhaltlich und organisatorisch wichtigen Personen sowie der Geldbeschaffung.

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Zu jeder Arbeit an einer Edition gehören auch hilfreiche Hirne, die Hinweise und Korrekturen geben. Editionen sind von einzelnen Personen nicht zu leisten. Sie seien, so Bodo Plachta, "wissenschaftliche[n] Großunternehmungen, sind zeit-, arbeits-, personal- und kostenintensiv"1. Die Herausforderung liegt darin, Objekt, Methode und Kompetenz in eine hermeneutische Bewegung zu bringen.
   Kritische Editionen etablieren AutorInnen im sogenannten 'literarischen Kanon'. Die AutorInnen haben sich auf dem Literaturmarkt gehalten und bewährt, haben schon einen Platz in der Literaturgeschichte und erhalten jetzt ihr 'literaturwissenschaftliches Denkmal'. Wenn der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) die in Entstehung begriffene Kritische Christine-Lavant-Ausgabe fördert, dann auch mit der Hoffnung, Christine Lavant international als wichtige österreichische Autorin präsentieren zu können.

1. Der Nachlaß Christine Lavants

1994 kaufte das Land Kärnten den Nachlaß Christine Lavants von ihrer Familie und überließ ihn dem Robert-Musil-Institut für Literaturforschung (RMI), Universität Klagenfurt, zur Bearbeitung. Der Nachlaß umfaßt Manuskripte und Typoskripte von Lyrik und Prosa, Druckfahnen, weiters Briefe an die Autorin, ihre Bibliothek und - in sehr geringem Ausmaß - biographische Dokumente (wie Ausweise, Urkunden etc.), sodann einige bildkünstlerische Werke (v.a. von der Autorin selbst und von Josef Habernig, ihrem Ehemann) und Memorabilia (wie Brillen, Schreibmaschine, Teppiche etc.). Auf Art und Umfang der Manuskripte und Typoskripte wird unten noch näher eingegangen. Die Rechte an den Werken wurden gesondert verkauft, und zwar an den Verlag, bei dem Christine Lavant bereits zu Lebzeiten veröffentlichte, den in Salzburg ansässigen Otto Müller Verlag.

Wenn wir im folgenden von "Nachlaß" sprechen, meinen wir dieses nun im RMI aufbewahrte Material, das bis zum Zeitpunkt des Todes von Christine Lavant noch in ihrem eigenen Besitz war. Es gibt jedoch auch viel Material, das - z.B. durch private oder geschäftliche Kontakte


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   1 Bodo Plachta: Editionswissenschaft. Stuttgart 1998, S. 11.

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der Autorin - an diversen Stellen in Archiven und in privatem Besitz liegt. Besonders erwähnen möchten wir hier die Materialien im Nachlaß Christine Wigotschnig (RMI), die Sammlung Familie Purtscher-Kallab (privat) und die Sammlung Otto Scrinzi (privat), die alle noch aufgearbeitet werden müssen. Das Ausfindigmachen, die Bestandsaufnahme und die Auswertung der im Nachlaß nicht enthaltenen, in ihrem Umfang sehr unterschiedlichen Materialien wird derzeit systematisch betrieben. Briefe eingeschlossen, umfaßt dieser verstreute Materialbestand rein quantitativ wohl mindestens noch einmal so viel wie der Nachlaß.

2. Beschreibung der Ausgabe in groben Zügen

Die Ausgabe wird aus zwei Teilen bestehen: einer mehrbändigen kommentierten Buchausgabe und einer für ein spezialisierteres Publikum gedachten CD-Rom-Ausgabe (die 'Kritische Ausgabe'). Für die CD-Rom werden sowohl die Struktur als auch die technische Umsetzung innerhalb eines Computerprogramms derzeit erarbeitet. Die CD wird auf Windows-Basis funktionieren, das Programm wird eine Hypertext-Datenbank sein.

3. Das erste Projekt: Katalogisierung und Transkription des Nachlasses

Wir rekapitulieren im folgenden kurz das erste Projekt, an dem wir beide noch nicht mitgearbeitet haben. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt des FWF ("Bearbeitung des Nachlasses von Christine Lavant"), dessen Laufzeit von April 1995 bis März 1997 dauerte und das sich die Erarbeitung der Grundlagen für die damals bereits geplante Christine-Lavant-Ausgabe zum Ziel setzte. Projektleiter war Klaus Amann, Leiter des RMI, Projektbearbeiterin war Uli Taferner.

Als Ziel dieses ersten Projekts wurde definiert: "die vollständige Erschließung des literarischen und dokumentarischen Nachlasses von Christine Lavant" und "die editorische Aufbereitung der Manuskripte

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und des zu Lebzeiten erschienenen Werks für eine textkritische Edition"2.
   Die Erschließung geschah im Hinblick auf das Philologische Erschließungsprogramm PEP, das in Klagenfurt für die CD-Rom-Ausgabe von Robert Musils literarischem Nachlaß3 Anfang der neunziger Jahre erarbeitet worden war und für die Lavant-CD-Rom technisch aktualisiert werden sollte. Das Programm PEP beruht auf der Kombination von zwei Bestandteilen: aus dem Katalog und den Transkriptionen. Für die Bearbeitung des Christine-Lavant-Nachlasses griff man sowohl bezüglich der Katalogkategorien wie der diakritischen Zeichen4 auf die für Musil erarbeiteten Prinzipien zurück.

Als Bearbeiterinnen des zweiten, des editorischen Projekts waren wir die ersten, die mit den Ergebnissen des ersten Projekts arbeiteten. Während wir uns mit dem Material vertraut machten, benützten wir den Katalog und die Transkriptionen zur Orientierung. Unser Blick war dabei stets schon auf die Edition gerichtet, das heißt auch auf alle möglichen Formen der Edition in hermeneutischer Verbindung mit dem Materialbestand und der technischen Umsetzung. Im folgenden zeichnen wir bei den Katalogkategorien und dem Transkriptionsmodell den Weg von unserer Kenntnisnahme über die Diskussion bis zu den Modifikationen, die sich nach unserem Dafürhalten aus editorischer Sicht ergeben müssen, nach.
   Wir möchten zur Vermeidung von Mißverständnissen zunächst darauf hinweisen, daß der im ersten Projekt erstellte Katalog die archivalische Erfassung des Lavant-Nachlasses im Robert-Musil-Institut angestrebt hat.
   Der Katalog ist die Summe aller Katalogblätter. Ein Katalogblatt ist in der Datenbank ein Datensatz. (Es handelt sich um eine relationale Datenbank, Programm File-Maker; die Datenbank hat alle Vorteile,


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   2 Vgl. Bearbeitung des Nachlasses von Christine Lavant und Vorbereitung einer Textkritischen Ausgabe ihrer Werke. Antrag an den FWF ("Folgeprojekt"), S. 1.
   3 Robert Musil: Der literarische Nachlaß. Hg. von Friedbert Aspetsberger, Karl Eibl und Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1992.
   4 Vgl. Plachta, Anm. 1, S. 137: "Editorische Zeichen, die z.B. Korrekturen, Einblendungen, Umstellungen oder Unsicherheiten kennzeichnen." Vgl. z.B. in Abb. 4.

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Abb. 1

aber auch alle Nachteile einer relationalen Datenbank.) Bis auf die Briefe (mit ganz wenigen Ausnahmen) ist jede beschriftete Seite des Nachlasses in einem eigenen Katalogblatt beschrieben worden. In der Edition nun werden alle auffindbaren Lavant-Werke angeboten werden; anderes (Lavant-)Material (wie z.B. Briefe etc.) wird auf der Kommentierungsebene berücksichtigt.

Wir zeigen in Abb. 1 ein Beispiel für ein Katalogblatt (und - als Illustration - das dazugehörige Nachlaß-Blatt und dessen Transkription), und zwar jenen Datensatz, der auf dem Bildschirm sichtbar wird, wenn man in der Datenbank nach dem Incipit5 "Horch!" sucht - also jenes Gedicht sucht, das unter dem vermeintlichen Titel "Die Bettlerschale" bekannt ist. Dazu gibt es drei Seiten im Nachlaß (zwei Fassungen); das eine Katalogblatt erscheint, auf die beiden anderen wird anknüpfbar verwiesen.

Wir sehen unter den Kategorien Kennung und Mappe die Ordnung des Nachlaßmaterials zum Zeitpunkt der Übergabe an das RMI. Für die Edition mit ihrem deutlich erweiterten Materialumfang ist die Verwendung weiterer Kategorien wie z.B. Provenienz und Signatur geeigneter (BenutzerInnen, die mit dem Originalmaterial arbeiten wollen, finden sich so deutlich leichter zurecht). Die Archivierung des Lavant-Nachlasses nach den aktuellen Standards der Archivwissenschaft (RNA6) wird mittlerweile durchgeführt. Arno Rußegger (RMI) übernahm die Erfassung mit dem Programm Allegro-HANS.
   Provenienz wäre also der Fundort (z.B. "Robert-Musil-Institut, Klagenfurt" oder "Privatbesitz" oder "Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Innsbruck" oder "Deutsches Literaturarchiv, Marbach/N."), Signatur der Standort, an dem man es am angegebenen Ort findet (also z.B. im RMI: Nachlaß Christine Lavant, Sign. 1/W 13).

Die Laufende Nummer bezeichnet im Rahmen der Datenbank den einzelnen Datensatz und damit die einzelne Seite. Da die Edition keine


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   5 Incipit (lat.: es beginnt): erste Zeile eines Gedichts.
   6 Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen. Hrsg. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Unterausschuß für Nachlaßerschließung. Deutsches Bibliotheksinstitut Berlin 1997.

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Abb. 2

relationale, sondern eine Hypertext-Datenbank als Grundlage haben wird, entfällt diese Kategorie.

Schreiber 1 ist jene Person, die am meisten auf das Blatt geschrieben hat (also den Haupttext geschrieben hat); bei allen für die Edition relevanten Texten handelt es sich um Christine Lavant. Schreiber 2 ist jene Person, die die zweithäufigsten Schreibungen auf dem Zettel vorgenommen hat (also die meisten Anmerkungen hinzugefügt hat; im Fall von Abb. 2 handelt es sich um Armin Wigotschnig); etc. etc. Schreibmaterial 1 ist das Schreibmaterial von Schreiber 1 (im Fall von Abb. 2: der schwarze Durchschlag eines Typoskripts sowie ein Bleistift), Schreibmaterial 2 ist das Schreibmaterial von Schreiber 2, etc. Schreiber 4 gibt es in so verschwindendem Ausmaß (5 Fälle), daß auch diese Kategorie entfallen könnte.
   Für eine Hypertext-Datenbank, wie sie für die Edition geplant ist, ist eine so strenge Kategorienbildung ohnehin nicht vonnöten, anders als bei relationalen Datenbanken. In der Edition werden allfällige Hinweise zu allen SchreiberInnen außer Christine Lavant an entsprechender Stelle geliefert werden.

Im Beiheft zum Katalog wird erklärt, daß die Datierung, vorgenommen für die jeweiligen Schreiber, "sich immer auf die Niederschrift der vorliegenden Textseite [bezieht] und [...] keinen Aufschluß über die Entstehungszeit der (nicht vorhandenen) 'Urfassung' [gibt]".7 Da in den meisten Fällen keine genauen Datierungen festzumachen waren, ist die Datierung mit 'Terminus ante quem non' und 'Terminus post quem non' auf einen bestimmten Zeitraum eingegrenzt. Die Datierungen erfolgten anhand des Materials, vor allem anhand der Papiersorten (siehe die Kategorien Papierart, Papierformat, Papierfarbe), und des Schreibmaterials, mit einem komplizierten System, das letztlich nicht dokumentierbar und damit nicht nachprüfbar ist. Diese Datierung der Niederschrift (die Teil der archivalischen Beschreibung des Materials ist)


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   7 Christine Lavant. Nachlaß. Katalog. Beiheft II. Beschreibung der Kategorien. Nummernschlüssel. RMI, interner Bericht, S. 6.

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Abb. 3

mag Orientierungshilfe geben; sie kann die Datierung der Entstehung des jeweiligen Werkes nicht ersetzen.8
   Eine kritische Edition richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Geschichte und den Zusammenhang von Texten. Deshalb geht es dabei um die Datierung der Entstehung der Texte. In diesem Bereich ist noch alle Arbeit zu leisten; es ist sicher, daß die genaue Kenntnis der Korrespondenz Christine Lavants sowie die Möglichkeiten der Volltextsuche Datierungen ermöglichen werden (Beispiele dazu später). Vorgenommene Datierungen oder Datierungsansätze werden an gegebener Stelle ausgewiesen und begründet.

Die Kategorie Textstufe erscheint ebenfalls fraglich, weil hier ein editorischer Begriff (betreffend die Textgenese) inmitten eines im übrigen auf archivalische Zwecke ausgelegten Begriffsinstrumentariums (nicht den Text, sondern das vorliegende Blatt betreffend) verwendet wird.9
   Die erhaltenen Typoskripte weisen so wenige Überarbeitungsspuren auf, daß man vermuten will, daß es (wohl handschriftliche) Vorarbeiten gab, die allerdings nicht im Nachlaß erhalten sind. Im Katalog wurde in diesem Fall (siehe Abb. 1) angenommen, daß es sich um eine "erschlossene" Abschrift handelt, deren Kennzeichnung durch ein Sternchen erfolgte. Die Kategorie der archivalischen Erfassung wird nun (auf Vorschlag Rußeggers) umbenannt in die RNA-konforme Bezeichnung "Textausreifung"10. Für die Edition wird genau zu ermitteln sein, wie die Texte Christine Lavants entstanden sind; von den Ergebnissen dieser Bemühungen wird dann die Wahl entsprechender editorischer Termini abhängen.

Die Kategorie EV (Erstveröffentlichung) weist auf die damals bekannte Erstveröffentlichung hin; weitere Publikationen in Sammlungen bzw. Editionen werden genannt.


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   8 Sinnvoll mag an gegebener Stelle die Kombination von anhand des Materials erfolgten Datierungen und aus biographischem etc. Kontext erfolgten Datierungen der Entstehung der jeweiligen Werke sein. Vgl. z.B. Hermann Zwerschina: Die Chronologie der Dichtungen Georg Trakls. Innsbruck 1990.
   9 Zum Begriff "Textstufe" vgl. Plachta, Anm. 1, S. 140.
   10 Vgl. RNA, Anm. 6, S. 90.

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Titel und Incipit sind klar. Problematisch sind durch die Rezeption geschaffene, von Lavant nicht autorisierte Titel (z.B. "Die Bettlerschale", "Abends zähl ich Lamm um Lamm", "Kreuzzertretung"). In der Edition (CD-Rom) wird, u.a. durch die Möglichkeit der Volltextsuche, gewährleistet sein, daß auch solche Titel suchbar sind. Das Incipit ist rein quantitativ die überwiegende Kategorie, denn jedes Gedicht verfügt über ein Incipit, während Christine Lavant nur in einer frühen Phase ihres Schreibens Titel vergab. Die Edition wird sämtliche Titel wie Incipits verzeichnen.

Die Kategorie Werkzuordnung im Katalog verweist einerseits auf die literarische Gattung, andererseits auf die Publikation in einer Sammlung bzw. Edition. Es handelt sich jedoch bei einer Publikation in einer Sammlung nicht um eine Werkzuordnung. Zudem wären Verweise auf Sammlungen textgeschichtlich zu prüfen: Nicht jeder Sammelband ist eine Sammlung (so ist z.B. die Werkzuordnung von Maria Katharina nicht Nell, wie im Katalog angegeben, da Maria Katharina schon 1949 zur Einzelpublikation vorgesehen war11 und der Sammelband Nell, hg. von Jeannie Ebner, Otto Müller Verlag Salzburg, erst 1969 zustandekam). Publikationen sind ohnehin über eine eigene Kategorie (Publikation in) ausgewiesen.

Die Kategorie Einzelveröffentlichung verweist auf Einzelveröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften etc. Mit der sehr aufwendigen systematischen Suche nach Einzelveröffentlichungen wurde erst in der editorischen Arbeitsphase, also im zweiten Projekt, begonnen. Generell kann gesagt werden, daß Christine Lavant zu Lebzeiten wesentlich mehr in Zeitschriften veröffentlichte als bisher bekannt. (Dies wirft auch ein neues Licht auf das Bild von ihr als Schriftstellerin, auf die Frage: Wie 'professionell' hat sie ihr Schreiben betrieben? Die Veröffentlichungspraxis kann dazu ein wichtiges Indiz sein.) Oft ist bei der Suche nach Einzelveröffentlichungen auch der Zufall hilfreich. Wir sind z.B. einer Kollegin im Innsbrucker Brenner-Archiv, Christine Riccabona, die an einer Datenbank zur Tiroler Literaturgeschichte seit den 60er Jahren arbeitet, sehr dankbar; sie trägt uns immer wieder an entle-


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   11 Vgl. "Andere Bücher von Christine Lavant". In: Christine Lavant: Das Krüglein. Stuttgart 1948, S. 160.

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genen Stellen gefundene Einzelveröffentlichungen Christine Lavants zu.

Doch zurück zu den Kategorien des Kataloges. Im ersten Projekt wurden im Feld Kommentar materialorientierte Bemerkungen festgehalten. Sie geben Auskunft zu Besonderheiten der Beschriftung, geben Hinweise zur Textstufe und verweisen im entsprechenden Fall auf einen Durchschlag/Durchschläge bzw. das Original zu einem Blatt. Die Edition bemüht sich in der Kommentierung um die Zusammenführung von (Einzel-)Text und Kontext, das bedeutet, soweit recherchierbar, Angaben zur Textgeschichte, zum biographischen Kontext, zur Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte (ggf. in Flächenkommentaren). Gerade hier ist die Kenntnis der Korrespondenz unerläßlich, da Christine Lavant außer ihren Briefen keine biographischen Materialien hinterlassen hat. (Es gibt - zumindest bisher - keine Tagebücher, keine Notizbücher, keine Tageskalender o.ä. Aufgrund der bisher gesammelten Korrespondenzen kann angenommen werden, daß für die Kommentierung im Detail wichtige Informationen in den Briefen enthalten sind.) Weitere Bereiche der Kommentierung werden im Einzelstellenkommentar intertextuelle Zusammenhänge sowie Erläuterungen des kulturellen, historischen, gegebenenfalls auch des topographischen bzw. naturgeschichtlichen Kontextes, die Erläuterung dialektaler bzw. umgangssprachlicher Besonderheiten sein. In jedem Fall wollen wir uns jeder Interpretation der Werke enthalten. Die Einzelstellenkommentare sind Angebote, die man als interpretierende/r Literaturwissenschaftlerln annehmen kann oder auch nicht. (Bibliographische Verweise auf Interpretationen zu den jeweiligen Texten werden unter 'Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte' angeführt.)

Fazit: Das Katalogblatt wird sich auf der CD-Rom in dieser Form nicht mehr finden. Die entscheidenden archivalischen Informationen werden in einem 'archivalischen Kästchen' enthalten sein. Bei allen Materialien, die nicht aus dem Nachlaß im RMI stammen, steht die entsprechende archivalische Aufarbeitung noch an.

Die zweite große Aufgabe, die im ersten Projekt anstand, war die Transkription des Materials. Alle im RMI lagernden Manuskripte und Typoskripte (Lyrik, Prosa) wurden gemäß eines Transkriptionsmodells mit diakritischen Zeichen transkribiert. "Es gibt 562 publizierte und

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692 (!) unpublizierte Gedichte, nicht eingerechnet die gleichfalls unpublizierten Vorstufen der publizierten Lyrik"12; weiters gibt es 634 Seiten Prosa in Typoskripten und Manuskripten - so der Abschlußbericht für das erste Projekt.13 Näheres zum System der Transkription möchten wir an dieser Stelle nicht ausführen, wir werden später mit einem konkreten Beispiel darauf zurückkommen.

Neben diesen Arbeiten wurden während des ersten Projekts zahlreiche Interviews mit Menschen, die Christine Lavant gekannt und ihr z.T. nahe gestanden haben, geführt. Der daraus entstandene biographische Essay von Uli Taferner findet sich im vorliegenden Buch (siehe S. 143-163).

4. Das Folgeprojekt: "Vorbereitung der Kritischen Werkausgabe von Christine Lavant"

Wir begannen mit den Arbeiten am Folgeprojekt im April 1998. Auch dieses Projekt wird vom FWF gefördert - wenn auch mit einer Verzögerung von einem Jahr, die den Personalwechsel nach sich gezogen hat -, und Klaus Amann, RMI, ist der Projektleiter. Über unsere Personen kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Universität Innsbruck (FIBA).
   Höchst optimistischen Einschätzungen zufolge war ein Abschluß der Ausgabe - also der CD-Rom und der Buchausgabe - und damit des Projekts innerhalb von zwei Jahren geplant. Zum Unglück für den Zeitplan, zum großen Glück für das Projekt hat uns Otto Scrinzi mit einer Sammlung von Materialien aus der Hand von Christine Lavant in seinem Besitz bekannt gemacht. Otto Scrinzi - auch er ist mit einem Beitrag in diesem Band vertreten (siehe S. 179-196) - war von 1962 an bis zu ihrem Tod Arzt und Freund Christine Lavants. Sie schenkte ihm, der ihr und ihren Werken nahestand, immer wieder Manuskripte und Ty-


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   12 Bearbeitung des Nachlasses, Anm. 2, S. 1. Der FWF nannte das Projekt in der folgenden Korrespondenz stets "Vorbereitung der Kritischen Werkausgabe von Christine Lavant".
   13 Vgl. Bearbeitung des Nachlasses von Christine Lavant. Abschlußbericht an den FWF [erstes Projekt], S. 2.

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poskripte als Dank für Hilfeleistungen. Otto Scrinzi stellte uns seine Sammlung großzügigerweise für die Arbeit zur Verfügung. Wir möchten ihm an dieser Stelle nochmals herzlich dafür danken. Bei seiner Sammlung handelt es sich vor allem um Prosa, um zahlreiche bislang unbekannte oder als verschollen gegoltene Werke. Dieser Glücksfall bedeutet nun für den Zeitplan eine Verzögerung. Man muß die Texte abschreiben und textkritisch bearbeiten sowie die Kommentierung erarbeiten. Wir hoffen, auch noch weitere Sammlungen (von deren Existenz wir wissen) für die Ausgabe gewinnen zu können und sind zudem auf systematischer Suche nach noch nicht bekannten Manu- und Typoskripten.
   In der Edition werden natürlich auch die Werke enthalten sein, die publiziert sind, von welchen aber keine Manu- oder Typoskripte erhalten sind.

4.1. Die Buchausgabe

Für die Buchausgabe werden wir uns für einen zu edierenden Text entscheiden und Varianten im Anhang verzeichnen. Sie soll ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen, wird sich also manchmal in ihrer Ausführlichkeit einschränken, um dieser pragmatischen Überlegung zu entsprechen. Sie bietet, gegebenenfalls gekürzt, zu den bisher ins Auge gefaßten einzelnen Kategorien der Kommentierung, das heißt zu Entstehungszusammenhang, Begründung der Datierung, Textgeschichte, Überlieferung, Einzelstellenkommentar, Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte, die erarbeiteten Informationen der CD-Rom.
   Die Buchausgabe geht mit diesem Angebot über den Rahmen einer sogenannten Leseausgabe deutlich hinaus, wendet sich aber an ein Publikum außerhalb des Wissenschaftsbetriebs. Sie wird, ebenso wie die CD-Rom, im Otto Müller Verlag, Salzburg, erscheinen.14


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   14 Die (derzeit) geplante Abfolge der Bände: 1. Lyrik-Sammlungen, Erstveröffentlichungen zu Lebzeiten; 2. Lyrik-Einzelveröffentlichungen außerhalb der Sammlungen; 3. Veröffentlichungen aus dem Nachlaß (KWM, Und jeder); 4. Unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlaß; 5. Zu Lebzeiten publizierte Prosa; 6. Prosa-Veröffentlichungen aus dem Nachlaß; 7. Unveröffentlichte Prosa aus dem Nachlaß.

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4.2. Die CD-Rom - Zur Textdarstellung

Wie soll nun auf der CD-Rom das Material dargestellt werden?
Eine 'möglichst originalgetreue' Darstellung der Originaltexte ist ein vermeintlich naheliegendes Ziel, dem man in der Praxis allerdings nachjagen kann, ohne es je zu erreichen. Nichts kann für jemanden, der am Material interessiert ist, eine Autopsie des Originals ersetzen: Das Befühlen, das Gegen-das-Licht-Halten, nur vor Ort kann man die Stärke des Papiers erkennen, seine Farbe, die Stärke des Anschlages der Schreibmaschine, kann man sehen, wie dunkel, wie dick der Bleistift war, wie blau das Blau... Daher ist der Ort der Lagerung des Originals eine wichtige Angabe. Diese wird man, wie erwähnt, gemeinsam mit einer genauen Beschreibung des Textträgers (Format, Farbe, Schreibgerät, Schreibstoff, Wasserzeichen) im 'archivalischen Kästchen' anbieten. Ansonsten wird man sich von der Idee des Originals verabschieden müssen und in Kauf nehmen, daß jede Transformierung eine Uniformierung nach sich zieht, sei es nun durch die Faksimilierung oder Transkription.
   Auch im Hinblick auf die Textdarstellung in der Transkription wird sich jede Edition für die Auswahl und die Ausführlichkeit der Informationen, die sie gibt, entscheiden müssen: So ist z.B. die bisherige Gleichsetzung von 'Übertippungen' in Typoskripten mit anderen Texttilgungen/Streichungen zu überdenken. Vom statistischen Befund des Materialbestands wird es abhängen, ob man ein zusätzliches diakritisches Zeichen einführt oder nicht.

Die Darstellung muß sich nach dem Material richten. Wie sieht das Material in unserem Fall aus? Die Erstellung des Katalogs hat ergeben, daß der Nachlaß im RMI, jetzt nur die Werke betreffend, 634 Seiten Prosa und 2378 Seiten Lyrik umfaßt. Von den gesamten Texten beläuft sich der handschriftliche Anteil auf etwa 14%. Die handschriftlichen Gedichte unterscheiden sich deutlich von den Typoskripten der Gedichte: Sie spiegeln einen Arbeitsprozeß, tragen also mehr Korrekturen und Streichungen als die Typoskripte. Die Typoskripte, die (mit 86%) den Hauptteil des Nachlasses ausmachen, weisen weniger inhaltlich relevante Korrekturen auf.
   Wie sahen die Überlegungen und Schritte zu einer Transkription aus? Im ersten Projekt ist die Umschrift aller Werke des Nachlasses mit diakritischen Zeichen erfolgt. Es war die (gescannte) Faksimilierung

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Abb. 4

aller handschriftlichen Texte geplant, aber nicht die Faksimilierung der Typoskripte.
   Wir haben nun an einem Fall - der uns, wie später noch zu sehen sein wird, an anderer Stelle interessant geworden war - den vorhandenen Katalog zum Gedicht Langsam verflüchtigt sich meine Seele... befragt. Ein Treffer war die Antwort: Es handelt sich um ein Typoskript mit handschriftlichen Anmerkungen der Autorin in blauem Kugelschreiber, "Papier 13 transparent, DIN-A4, crème 3", unveröffentlicht, "Textstufe: *Abschrift", Datierung der Niederschrift "TAQUN [= Terminus ante quem non]: 500000, TPQUN [= Terminus post quem non]: 540000", "Kennung: CL1248a".
   Wir haben uns dann die Transkription ausgedruckt, um dieses im Katalog dokumentierte Gedicht zu lesen (Abb. 4). Es war, auch für eingeübte Leserlnnen, ausgesprochen aufwendig, herauszufinden, wie die Beschriftung des Originals aussieht. Wir hatten die Möglichkeit, auf die Kopie des Originals zurückgreifen zu können (Abb. 5). Wir wenden uns nicht gegen eine Transkription von Typoskripten, denn in der Transkription sollten Vorgänge im Bereich der Textgenese (z.B. Korrekturen und Korrekturschichten) bzw. des Arbeitsvorganges festgehalten werden; editorische Entscheidungen werden darin sichtbar. Hier steht jedoch der Aufwand der Rezeption der Transkription in einem Mißverhältnis zum Lesen des Originals. Dies spricht gegen eine Transkription von Typoskripten in dieser Form, zumal man hier nicht unterscheiden kann, ob etwas gestrichen und dann neu geschrieben oder ob etwas einfach überschrieben wurde. Tippfehler erhalten ein zu großes Gewicht. Dies zeigt, daß das System der diakritischen Zeichen an Handschriften entwickelt wurde und für diese besser geeignet ist.
   Inhaltlich ist es - wie bereits erwähnt - etwas anderes, ob ein Zeichen durchgestrichen wurde oder 'übertippt': Im vorliegenden Fall (Abb. 5) ist deutlich sichtbar, daß durch die Art der Texttilgungen (ob mit der Hand durchgestrichen oder 'durchge-x-t' mit der Maschine) die Korrekturschichten voneinander zu trennen sind: In der ersten Zeile der letzten Strophe wurde "ja Freude" durchge-x-t, in der nächsten Zeile mit Maschine wiederholt ("jaJ, Freunde," - offensichtlich handelte es sich bei "Freude" um einen Tippfehler) - bei der Durch-x-ung scheint es sich um eine Sofortkorrektur zu handeln. Danach wurde der Tippfehler "jaJ" mit der Hand beseitigt (zweite Korrekturschicht). Ebenfalls von Hand wurden danach die 'X-ung' der ersten Zeile aufgehoben und

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Abb. 5

die Streichung und Ersetzung der Wiederholung ("versteht") in der zweiten Zeile gesetzt (in einer dritten Korrekturphase).
In der vorliegenden Transkription wird nur der Befund wiedergegeben. Die hier wohl eindeutig zu nennende Reihenfolge der Korrekturen ist nicht ausgewiesen; für derartige Vorgänge ist diese Transkription nicht vorgesehen. Textgenetische Entwicklungen dürfen jedoch nicht verlorengehen. Man müßte sie entweder im Kommentar beschreiben oder im Zuge einer Ausweitung des diakritischen Zeichenapparats berücksichtigen.

Neben der Genauigkeit ist jedoch die leichte Erfaßbarkeit eine wesentliche Anforderung an Transkriptionen. Deswegen gingen unsere Überlegungen nun dahin, ob nicht eine diplomatische Umschrift den BenutzerInnen dies eher anbieten könnte.
   Die diplomatische Umschrift bemüht sich um eine formale Parallelität zwischen dem Text des Originals und dem in Druckbuchstaben transformierten Text. Die ursprüngliche Anordnung ist evident und läßt sich mit wenigen Anweisungen leicht erfassen. Nicht von ungefähr wählten wir diese Transkriptionsform für eine Broschüre über das Projekt, die für Sponsoren werben soll (Abb. 6 und 7). Für diese Broschüre schien der Abdruck eines handschriftlichen Gedichts attraktiver zu sein, daher bieten wir hier die Umschrift zu dem Gedicht Himmel voll Mond, Erde voll Nacht ...
   Aber der Aufwand, eine solche Darstellung herzustellen, ist zugegebenermaßen hoch: Man muß mit einem Desktop-Publishing-Programm jedes Gedicht, jede Seite millimetergenau nachbilden.
   Letztlich kann aber - trotz allen Aufwands - auch die diplomatische Umschrift die Optik des Originals nicht ersetzen.

Beide Transkriptionsformen teilen außerdem folgendes Problem: Worte oder Zeichen sind nur schwer und nicht vollständig suchbar.

Es ist entscheidend, daß alle Worte innerhalb einer Textsuche erfaßt und ausgewertet werden können, sowohl für inhaltliche Zusammenhänge als auch im Hinblick auf zu erstellende Statistiken.
   Wie interessant und wichtig eine elektronisch-technische Volltextsuche sein kann, zeigt sich an folgendem Beispiel: Schreibgewohnheiten Christine Lavants wurden uns erst offenbar, als wir den gesamten

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Abb. 6

Textbestand in eine einzige Datei überführt hatten: Die unterschiedliche Schreibung von Tabak als "Tabak" oder "Taback" (vgl. auch die variablen Schreibungen von "darin" / "darinn", "danach" / "darnach", "erschrak" / "erschrack" etc.) verweist auf verschiedene Phasen von Christine Lavants Schaffen und gibt - in Zusammenhang mit anderen datierbaren Texten oder Briefen - Datierungshilfen.

Deshalb muß die CD-Rom alle Worte und Zeichen suchbar zur Verfügung stellen. Im Falle einer Transkription mit diakritischen Zeichen werden aber Worte durch die Zeichen 'zerschnitten'. Das hieße, daß die zerschneidenden Zeichen zwar für die BenutzerInnen sichtbar, aber für die Suchmaschine 'unsichtbar' sein sollten. Andernfalls müßten zerschnittene Worte um unsichtbar eingefügte unzerschnittene ergänzt werden. Im Fall der diplomatischen Umschrift aber müßte der dargestellte Text, so nicht in ihm selbst Suchvorgänge möglich sind, durch ein dahintergelegtes Textprogramm ergänzt werden, in dem dann gesucht werden kann.
   Die Transkription in entsprechender Form ist die wichtigste Arbeitsebene für wissenschaftliche BenutzerInnen.

Die Frage nach der Transkriptionsmethode und die dadurch aufgeworfenen Probleme führten uns zur Überlegung, auch die Typoskripte gescannt zu faksimilieren.
   Wir hoffen, damit die Transkriptionsmethode ökonomischer und benutzungsfreundlicher gestalten zu können.
   Faksimiles haben aber noch andere Vorteile. Auch die Typen der Schreibmaschine sowie fehlerhafte Eigenheiten der Maschine (wie Buchstaben, die nach oben oder unten gerutscht sind), der Zeileneinzug u.ä. werden erkennbar und erlauben möglicherweise Zuordnungen zu Konvoluten oder Zeiträumen - man kann jedenfalls den schriftlichen Bestand des Textträgers voll erfassen. (In Einzelfällen könnte dieses Faksimile sogar farbig sein.) Ein Faksimile auf CD-Rom ermöglicht darüber hinaus Dinge, die man mit dem Original gar nicht machen kann: Mittels EDV kann das elektronische Faksimile im Hinblick auf Kontrast oder Zoom bearbeitet werden - ganz nach den Wünschen der Benutzerlnnen.
   Faksimilierung erhält weiters den Wert der Ausgabe, die in dieser Hinsicht nicht überholbar ist, auch wenn sie unwillkürlichen Alterungsprozessen unterliegt (Veralten der Bibliographie, neue Forschungser-

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Abb. 7

gebnisse, neue Funde machen sie unvollständig, aber nicht falsch; die Ausgabe erhält damit eine offene Struktur, die Fragestellungen durch BenutzerInnen ermöglicht, die wir bei der Editionsarbeit noch nicht bedacht haben konnten, denn neue Forschungsergebnisse führen zwangsläufig zu neuen Fragestellungen). Zudem bietet Faksimilierung vom archivalischen Standpunkt aus die Sicherung des Materialbestandes: Christine Lavant schrieb viel auf dünnem oder schlechtem Papier, das begrenzte Haltbarkeit hat.
   Elektronische Faksimilierung ist technisch problemlos möglich. Sie ist in der Reproduktion nicht teuer. Sie kann mit unseren Mitteln gemacht werden (Scan). Das einzige Problem, das auftauchen könnte, ist die Datenmenge, denn Graphiken brauchen viel Speicherplatz. Doch ohne Zweifel wäre es interessant, wenn mit der kritischen Lavant-CD-Edition jede ihr/jeder sein eigenes Lavant-Archiv in Händen halten könnte.
   Nicht zufällig steigt der Anteil von Faksimile-Ausgaben deutlich an: Das Faksimile bietet den dem Original nächstkommenden optischen Eindruck. Anhand eines Faksimiles kann die Transkription deutlich leichter nachvollzogen werden - und ist damit auch überprüfbar. Mit dem Faksimile verschwindet endgültig ein Begriff aus dem Wortschatz der Editionsphilologie, der von seiner Anlage her zu vielen Ungenauigkeiten die Tür offen hielt: 'stillschweigend' kann nichts mehr geschehen. Auch die unweigerlich durch Betriebsblindheit, Geschmacksurteile, subjektive Einschätzung etc. tatsächlich stillschweigend getroffenen Annahmen werden so kontrollierbar. Überprüfbarkeit und Transparenz sind jedenfalls zwei der Anforderungen, die wir an die Lavant-Edition stellen.

4.3. Die CD-Rom - Struktur und Angebot

Unsere Überlegungen haben nun zu folgender Lösung geführt, die im Laufe der Arbeit noch modifiziert werden kann. Die CD-Rom wird folgende Elemente enthalten:

  • Die Faksimiles der Originale, die einen unmittelbaren optischen Eindruck sowie die Überprüfbarkeit der Transkriptionen bieten.
  • Die Transkription der Texte, die wissenschaftliche Genauigkeit bietet.

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  • Den Text, wie er in der Buchausgabe abgedruckt ist. So haben die Leserlnnen der Buchausgabe keinen Informationsvorsprung gegenüber den wissenschaftlichen BenutzerInnen der CD-Rom. BenutzerInnen der CD haben so auch die Möglichkeit, anhand der Buchausgabe zu arbeiten.
  • Die Kommentierung - siehe unten.
  • Es soll, hervorgehend aus unseren Forschungen und auch als Ziel unserer Forschungen, eine Chronik erstellt werden, die biographische Fakten sowie Fakten des Lebenszusammenhangs Christine Lavants unter Angabe der Quellen anbietet.
  • Bild- und Tondokumente.

4.4. Die Kommentierung

4.4.1. Überlieferung / Entstehungszusammenhang / Textgeschichte

In welchen Materialisierungen liegt der Text vor? Hierher gehört die Beschreibung der erhaltenen Textträger ('archivalisches Kästchen'/ "Überlieferung"15).
   Kaum einer der Prosatexte oder eines der Gedichte wurden von der Autorin datiert (vgl. oben). Christine Lavant hat keine Arbeitstagebücher oder andere Tagebücher geführt, jedenfalls sind keine erhalten. (Auch hier ist man auf die Korrespondenz angewiesen.) Von uns vorgenommene Datierungen werden begründet. Man wird sich bemühen, den einzelnen Text in seinem Entstehungszusammenhang darzustellen.
   In diesen Bereich der Kommentierung fällt auch die Darstellung der Textgeschichte, also der Wege, die ein Text als Material nach seiner Entstehung bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt hinter sich hat. Hatten andere Personen und Institutionen (Verlage, Jurymitglieder etc.) den Textträger in ihren Händen? Fügten sie dem Text Anmerkungen, Korrekturen etc. hinzu? Welcher Text ist der 'authentischste'?16


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   15 Der Begriff "Überlieferung" wird in der Neuphilologie "zur Ermittlung und Beschreibung sämtlicher erhaltener bzw. rekonstruierbarer Textträger benutzt." (Plachta, Anm. 1, S. 141)
   16 Vgl. zu diesem Problembereich unsere begleitenden Kapitel zu Christine Lavants Erzählung Das Wechselbälgchen (Otto Müller Verlag Salzburg, 1998).

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Die Buchausgabe wird uns vor die Frage nach der Wahl der Fassung eines Gedichtes (oder eben auch einer Erzählung) stellen. Hierzu ein Beispiel, das nicht schwer zu überblicken ist, aber das Problem anschaulich macht; es erinnert an die alte Frage nach der Fassung "erster" oder "letzter" Hand:

Das Gedicht Wer haucht so kalt in mein Genick... existiert in vier Fassungen, die sich in Details voneinander unterscheiden:

a/b) Nachlaß, RMI, zwei maschinschriftliche Durchschläge (Kennungen: CL1918a, CL2098a), einer enthält geringfügige handschriftliche Korrekturen (vermutlich nicht von Christine Lavant) und Druckanweisungen ("kursiv", "Borgis", nicht von Christine Lavant), war also wohl Satzvorlage für eine Veröffentlichung, und zwar als Einzelveröffentlichung, da der Name der Autorin nach oben gestellt werden sollte.
c) Abdruck in SP, S. 114.
d) Eigenhändige Abschrift an Ernst Meyer-Camberg, August 1969 (Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Sammlung Ernst Meyer-Camberg); kann von der Datierung her als die letzte Fassung gelten.

Was soll das 'eigentliche' Gedicht, die Grundlage des Edierten Textes in der Buchausgabe sein? Soll es immer die veröffentlichte Fassung sein? Ändert sich die Situation, wenn wir die Einzelveröffentlichung finden, zu der obige Satzvorlage vorhanden ist, und wenn diese eine Erstveröffentlichung ist?
   Weniger Probleme bereiten bereits veröffentlichte Texte und Sammlungen. Man nennt diese 'autorisiert', solange man keine Gegendarstellung der Autorin ausmachen kann - wobei durchaus jeweils sinnvoll wäre zu prüfen, wieweit Christine Lavant tatsächlich bis zum Druck Einfluß auf den Text nehmen konnte oder wollte.
   Welchen 'Wert' hatte nun das Unveröffentlichte für Christine Lavant? Was bedeutet aus dieser Perspektive 'Nachlaß'? Hat etwas bei einem Verlag gelegen, kann man den Text immerhin als zur Veröffentlichung freigegeben bezeichnen; lag er zum Zeitpunkt von Christine Lavants Tod in einer Kiste, muß man sich fragen, ob sie ihn aufgehoben hat oder es Zufall ist, daß er noch existiert. Hat sie selbst sich nicht von den Texten trennen können oder hat sie sie für die Nachwelt in Ver-

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öffentlichungsabsicht aufbewahrt? Eine Zwischenstellung haben Texte, die an Privatpersonen weitergegeben wurden (ohne daß im Nachlaß ein Original oder eine Abschrift gefunden wurde) - sie sind 'zur Verfügung gestellt' und damit einer - wenn auch kleinen - Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Die Erarbeitung dieser Fragen als Rahmenbedingungen einer Edition soll auch Stimmen entgegentreten, die da sagen könnten, daß man vielleicht der Dichterin nicht unbedingt einen Gefallen damit erweist, alles Erhaltene auf den Markt zu bringen. Wir erhoffen durch die Auswertung der Korrespondenzen mehr über Textwege und über das Verhältnis der Dichterin zu den Texten zu erfahren.

Wie bereits erwähnt, soll die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte der einzelnen Werke bzw. von Werkgruppen auch ihren Platz in der Kommentierung haben. Zur Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte gehören nicht nur Veröffentlichungen oder Preise, sondern auch mehr oder weniger ausführliche Erwähnungen in der Literatur oder in der Sekundärliteratur, Übersetzungen, Vertonungen etc.

4.4.2. Der Einzelstellenkommentar

Der Ausgangspunkt jeden Kommentars ist Christine Lavant. Man wird bei einer Pflanze eher angeben, daß sie gerne daran gerochen hat (wenn sie das einmal zur Kenntnis gebracht hat, etwa in Korrespondenzen, Interviews oder auch Gesprächen), als deren Zuordnung innerhalb einer Pflanzensystematik zu nennen. Das wiederum setzt die genaue Kenntnis des Lebens der Autorin voraus, so daß im Zuge des Projekts auch so etwas wie ein biographisches Profil der Person Christine Lavants entstehen soll.
   Wichtig sind intertextuelle Zusammenhänge, wobei diese mit Vorsicht zu behandeln sind: Die Verszeile "- jeder Wind ist herrlich und verwandt mit aller Teufelei!" im Gedicht Trau der Mannschaft deines Seglers zu... klingt nach Rilkes Engel, der schrecklich ist17 - aber was gäbe man als Lemma an? Wo fängt der Rilke-Ton an, wo hört er auf? Schon die 'Einzäunung' einer bestimmten 'Stelle' ist schwierig. Wie-


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   17 "[...] Ein jeder Engel ist schrecklich. [...]"; in: Rainer Maria Rilke: Duineser Elegien. Die erste Elegie. Werke I/2. Frankfurt a.M. 1974, S. 441.

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viel Übereinstimmung muß mindestens bestehen: zwei Wörter, drei? Genügt eine Satzstruktur?

Die Gefahr von Einzelstellenkommentaren ist, daß sie Akzentuierungen setzen, die dem Gedicht unangemessene Gewichtungen verleihen können. Das grundsätzliche Problem besteht darin, daß Vieldeutigkeit auch der Sinn ist und eine Kommentierung leicht zur inhaltlichen Einengung führt. Trotzdem wollen wir auch andere Personen bitten, uns ihre Kompetenz für die Optimierung des Wissens zur Verfügung zu stellen, das in die Edition einfließen soll, damit man möglichst viele intertextuelle Zusammenhänge zu Literatur, Bibel, Malerei, Philosophie usw. anbieten kann. Vielleicht wird man, um einer systematischeren Auswertung willen, die Suche schärfer begrenzen (z.B. auf ausgewählte Personen oder Texte der schon oben genannten Bereiche).

5. "Parallelaktionen" und Perspektiven

Wir haben am Rande unserer Ausführungen immer wieder auf die Wichtigkeit der Korrespondenzen aufmerksam gemacht. An die systematische Suche und Auswertung der Korrespondenzen ist für dieses Projekt nicht gedacht gewesen. Mit der einen Arbeitsstelle, die wir uns für zwei Jahre teilen und für die der Forschungsfonds bisher seine Unterstützung zugesagt hat, ist ein Blick auf die Korrespondenz kaum möglich. Da wir jedoch der Auffassung sind, daß ohne die Auswertung der Korrespondenzen die Edition nicht sachgemäß erarbeitet werden kann, sind wir gerade dabei, einen solchen Antrag für ein eigenes Editionsprojekt der Briefe Christine Lavants beim FWF zu stellen, wobei wir die Korrespondenzen wohlgemerkt nicht nur als Zusatzmaterial sehen, sondern sie als Dokumente zur äußeren und inneren Biographie Christine Lavants sowie als wertvolles Material zu verschiedenen Kontexten (Stichworte: Schreiben in der Provinz, Produktionsbedingungen für Frauen, Literaturbetrieb der fünfziger und sechziger Jahre etc.) vorstellen wollen - einmal abgesehen vom menschlichen und ästhetischen Genuß der Lektüre. (Das alles können wir schon nach Kenntnisnahme der bisher bekannten oder der von uns im Zuge unserer Arbeit entdeckten Briefe sagen.) Die Aufarbeitung der Briefe wird wichtige 'Vergleichsdaten' zur Werkedition bieten. Sie sind ein Datierungsgerüst und werden nicht nur explizite Hinweise auf Werkentstehungen geben können,

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sondern auch über den Wortbestand implizite Hinweise liefern. Sie könnten am ehesten auch die Papiersorten zu vergleichbaren Datierungshilfen machen.
   Eine attraktive EDV-Lösung für die Briefedition sehen wir im Programm Folio Views, das sich z.B. bei der Edition der Korrespondenz Ludwig Wittgensteins18 sehr bewährt. Dieses Programm ist eine Hypertext-Datenbank, die Volltextsuche anbietet, weiters Filter zur Suchbarkeit (z.B. Filter für Personennamen, Orte, Literatur). Varianten sind suchbar, die Suchergebnisse können in drei verschiedenen Umgebungen angezeigt werden (weitere/engere Umgebung des Suchergebnisses). Zur Zeit wird Folio Views auch in bezug auf seine Anwendbarkeit für die CD-Rom der Kritischen Werkausgabe getestet.19

Ein weiteres Beispiel soll den Wert der Korrespondenz für die Ausgabe illustrieren. Wie schon erwähnt, hat uns Otto Scrinzi dankenswerterweise sein Material zur Bearbeitung überlassen. Wir fanden in der Korrespondenz auch ein an ihn gesandtes Gedicht, eine handschriftliche Abschrift des bereits erwähnten Gedichts Langsam verflüchtigt sich meine Seele... Mit dieser Abschrift ließ sich einiges klären, denn es gibt einen handschriftlichen Zusatz auf der oben vorgestellten Fassung im Nachlaß (siehe Abb. 5): "ist nicht v.[on] jetzt - aber aus der Zeit nach dem Bekanntwerden mit Ihnen u. ohne Durchschlag". Da dieses Blatt nicht abgeschickt, sondern offensichtlich aufbewahrt wurde (denn es liegt im Nachlaß Christine Lavants), liegt die Vermutung nahe, daß Christine Lavant dann doch noch eine eigenhändige Abschrift für Otto Scrinzi anfertigte, vielleicht, weil es schöner und persönlicher war, vielleicht, weil sie den Gedanken, sie könnte ihm nur einen Durchschlag von mehreren schicken, gar nicht aufkommen lassen wollte. Otto Scrinzi versah das an ihn gesandte Blatt mit dem Datum "30.10.64". Der Zusatz auf dem Typoskript (und auch der Inhalt des Gedichts) läßt sich


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   18 Ludwig Wittgenstein: Gesamtbriefwechsel. Hrsg. und kommentiert von Monika Seekircher, Martin Alber, Anton Unterkircher, Ilse Somavilla, Christian Paul Berger. EDV-Edition. Forschungsinstitut Brenner-Archiv Innsbruck (in Arbeit).
   19 Ein Beispiel für die Verwendung von Folio Views für germanistische Editionen ist Der junge Goethe in seiner Zeit. Texte und Kontexte. Zwei Bände und CD-Rom. Hrsg. von Karl Eibl, Fotis Jannidis, Marianne Willems. Frankfurt a.M./Leipzig 1998.

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eindeutig Otto Scrinzi zuordnen - der Beginn der Bekanntschaft mit ihm läßt sich mit Ende 1962 / Anfang 1963 datieren. Das Gedicht müßte also zwischen Ende 1962 und Ende Oktober 1964 geschrieben worden sein, wobei die bisher angenommene Datierung der Niederschrift auf 1950-1954 lautet.

Die Gesamtheit aller Beschäftigungen weist auf eine Arbeit, die zur Zeit als unser 'Hintergrundprogramm' mitläuft: die Biographie Christine Lavants, die ein dringendes Forschungsdesiderat darstellt. Wir gehen davon aus, daß unser Interesse an Christine Lavant und die Lust an der Beschäftigung mit ihr und ihren Werken Bestand hat. Wir hoffen, daß unser Interesse von anderem Interesse gestützt bleibt und unsere Arbeit weiterhin die notwendigen materiellen und ideellen Zuwendungen bekommt.

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