Poststempel: St. Stefan, Lavanttal.
Die Briefe Christine Lavants
Ursula A. Schneider, Annette Steinsiek
im Druck erschienen in:
"Ich an Dich". Edition, Rezeption und Kommentierung von Briefen.
Hg. v. Werner M. Bauer, Johannes John und Wolfgang Wiesmüller.
Innsbruck 2001. (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Germanistische Reihe Bd. 62) S. 247-263.

Aktueller Zusatz 2007
Aus gegebenem Anlaß gestatten wir uns hier einen aktualisierenden Hinweis.
Die Projekte zu einer Werkausgabe Christine Lavants am Robert-Musil-Institut der Universität Klagenfurt sind mittlerweile abgelaufen.
Die Werkausgabe Christine Lavants liegt inzwischen in anderer Verantwortung und greift auf eigene Konzeption und Forschung zurück, sodaß ein sinnvoller Abschluß in die Nähe rückt.


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Man liest in diesem Band über die Gattung des Briefes und die Abgrenzung zu anderen Korrespondenz- und Schriftstücken sowie über die Briefwechsel einzelner Schriftstellerlnnen und deren Spezifität. Während Ficker und Varnhagen ihre Briefe selbst schon als ihr bewahrenswertes "Werk" angesehen und deshalb gewisse Vorsorge getroffen haben, während bei Kleist, Stifter, Trakl und Wittgenstein die Berühmtheit der Personen schon seit langem ausgiebiges Interesse und Investitionen rechtfertigt, muß im Falle von Christine Lavant erst mühsam gesammelt und diese Mühe zudem legitimiert werden.
   Christine Lavant ist eine bekannte Person und kanonisierte Autorin - sie kommt in Anthologien zu Liebe, Natur oder Bergbau vor, in Literaturgeschichten und österreichischen Schulbüchern; wieso wird sie aber von LeserInnen und Literaturwissenschaft oft nur schemenhaft wahrgenommen? Unsere kurze Antwort darauf ist, daß Christine Lavant noch nicht klar hervortreten konnte, weil man sich die Mühe, die wir uns mit den Briefen machen und machen wollen, bisher nicht gemacht hat. Christine Lavant verschwindet hinter einem Mythos, den sie und der sich um ihr Werk und um ihre Person aufgebaut hat.1 Die Gründe für Rezeption oder Nicht-Rezeption werden oftmals durch diesen Mythos bestimmt. Die Diskussion um dieses Lavant-Bild, um sein Entstehen, seine Belegbarkeit oder Widerlegbarkeit, kann erst seriös geführt werden, wenn man sich zuvor um Dokumente bemüht hat.
   Für uns hat die Datenbank des Gesamtbriefwechsels schon in ihrem Entstehen zwei Dimensionen: Sie ist Christine Lavant betreffend 'Sammlung gesicherter Quellen' wie auch 'Biographie', ist Werkzeug und Ergebnis zugleich.

1. Stand der Forschung

Bereits ein Jahr nach ihrem Tod wurden Briefe Christine Lavants (an Gerhard Deesen) veröffentlicht.2 Hier und im Abdruck von Auszügen aus mehreren Briefen in Steige, steige, verwunschene Kraft - einem Erinnerungsbuch anläßlich des 5. Todesjahres3 - lag das Interesse vor allem im populär-biographischen Bereich. Man war, den Zielen der Publikationen entsprechend, dabei an dem

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Zusammenspiel von Wiedererkennen und Neuigkeiten-Erfahren interessiert, nicht an der Auseinandersetzung mit den Brief-Texten4 oder an einer biographischen Dokumentation. Auch in anderen Kontexten der Erinnerung an Christine Lavant wurden Briefe verwendet, um den LeserInnen Aufschluß über das Leben einer Person zu geben und um den Eindruck einer unmittelbaren Begegnung mit der Autorin zu erzeugen.5
   In Publikationen, die einen Querschnitt durch Christine Lavants Werk zu geben versuchten, wurden auch Briefe von ihr veröffentlicht - der Untertitel kündigte sie jeweils eigens an.6 Die Briefe wurden dabei offenbar als Teil der Produktion und möglicherweise auch als Teil des Werkes der Autorin gesehen.
   Die erste vollständig abgedruckte Korrespondenz Christine Lavants war die mit Hilde Domin.7 In einer umfangreichen Monographie über Leben und Werk der Schriftstellerin und Übersetzerin Nora Purtscher-Wydenbruck erschien das Briefkonvolut von Christine Lavant wichtig genug, um es vollständig wiederzugeben.8 Und das Österreichische Literaturarchiv in Wien (ÖLA) sah die Briefe Christine Lavants an Maria Crone als so wichtig an, daß es sie in seinem Publikationsorgan vollständig veröffentlichte.9
In Band 4 des Briefwechsels von Ludwig Ficker wurden Briefe von Christine Lavant erstmals mit Datierungen versehen und zusammen mit einem Kommentar veröffentlicht.10 Der Bezugspunkt des Kommentars war jedoch naturgemäß Ludwig Ficker, und er konnte zwar viel Wissen um die Begegnung zwischen Ficker und Lavant bereitstellen, mußte aber auf detaillierte und differenzierte Angaben zu Christine Lavant und der Eigenart ihrer Briefe verzichten.
Wolfgang Wiesmüllers Untersuchung über die Korrespondenz zwischen Ludwig Ficker und Christine Lavant bildete eine Grundlage für den entsprechenden Kommentar im Ficker-Briefwechsel.11 Daß eine Auseinandersetzung mit den Briefen Christine Lavants zu biographisch wertvollen und neuartigen Forschungsergebnissen führt, hat auch Christa Gürtler in einem Aufsatz über das Verhältnis der Autorin Christine Lavant zu ihrem Verlag, dem Otto Müller Verlag in Salzburg, bewiesen. Gürtler konnte das verbreitete Bild von der weltfremden Dichterin zurechtrücken und sie als selbstbewußte Verhandlungspartnerin zeigen.12
Eine kommentierte Briefedition im Bereich der Lavant-Forschung wurde erstmals durch die Veröffentlichung der Briefe an Ingeborg Teuffenbach geleistet.13 Sie zeigt exemplarisch die Wichtigkeit der literaturwissenschaftlichen Edition der Briefe Christine Lavants: Die Briefe wurden auch als literarische Zeugnisse für das Schaffen ihrer Schreiberin genommen. Ihr Informationswert tritt auch über den Kommentar zutage, der biographische Details liefert und lückenhafte Informationen aufbessert. Stationen einer 'inneren' und 'äußeren' Biographie wurden erkennbar.

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2. Der Vorteil des 'Gesamten'

Nach dem Erscheinen von Herz auf dem Sprung. Die Briefe an Ingeborg Teuffenbach begannen wir mit den Planungen und Arbeiten zu einer Edition des gesamten Briefwechsels.14 Wie schon beim eben erwähnten Band zeigte sich, daß die Briefe Christine Lavants - und zwar nicht nur deren vielschichtige 'Binneninformation', sondern auch die Kenntnisse, die ihnen ein ausführlicher Kommentar zur Seite stellt - das Fundament der Beschäftigung mit der Dichterin sind. Christine Lavant hat weder Tagebücher noch andere persönliche Zeugnisse hinterlassen (abgesehen von Lebensdokumenten wie Pässen, Kontoauszügen, Krankenhausrechnungen, Pensionsbescheiden, Strom- und Telefonrechnungen etc.).15 Ihre Briefe sind nicht nur 'documents humains' und zum Teil von hoher literarischer Qualität, sondern auch die Basis für das Erarbeiten einer dringend anstehenden Biographie.16
   Nur Kommentierung und Zuordnung von brieflichen Äußerungen zu verschiedenen Bezugssystemen ergeben sinnvolle Anhaltspunkte für eine Biographie. Erst mit einer gewissen Menge von Material tauchen Muster auf. Stationen bzw. Entwicklungen werden deutlich, die die simple Aussagestruktur mancher Fremd- wie aber auch Selbstaussage überholen. Die/Der eine mag eine Einschätzung von Christine Lavants Verhältnis zum Schreiben auf Sätze wie "Überhaupt ist mir das Dichten so peinlich. Es ist schamlos [...] wäre ich gesund und hätte 6 Kinder, um für sie arbeiten zu können: das ist Leben! Kunst wie meine, ist nur verstümmeltes Leben, eine Sünde wider den Geist, unverzeihbar." (an Gerhard Deesen, 27.3. 196217) gründen; andere könnten nahezu das Gegenteil betonen, wenn sie auf Christine Lavants entschlossenes Verhältnis zum Schreiben als "versuchte Selbstheilung", als "Not-Wendigkeit" hinweisen (an Elmar Haller, 23.10.1969).18
   Aber nur die Berücksichtigung von Perspektiven, Chronologien, AdressatInnenbezogenheit, rhetorischen Elementen usw. gibt Äußerungen den Wert, den sie haben: einen relativen.

3. Quellen gegen Kolportage

Ganz abgesehen von den Überlegungen, wieweit die Biographie bei der Interpretation von Werken eine Rolle spielen soll oder nicht und wieweit die Klärung dieses Verhältnisses ein Ausgangspunkt seriöser Interpretation sein sollte: Bei Interpretationen von Gedichten Christine Lavants beruht das biographische Element, wo es verwendet wird, auf Schlagworten, die nicht selten aus erkennbar problematischen Quellen wie Erinnerungsaufsätzen gewonnen wurden. Das

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liegt vermutlich daran, daß die interpretative Literaturwissenschaft mit Vorliebe auf schon Gedrucktes zurückgreift, dessen Herkunft nicht weiter interessiert (so will es zumindest in einem Literaturarchiv Arbeitenden gelegentlich erscheinen), und daß bis heute wenige ausführliche, seriös edierte Quellen vorliegen, auf die man gleichermaßen leicht zurückgreifen könnte.
   Wie schon gesagt: In Christine Lavants Nachlaß wird man in bezug auf klassisch für eine Biographie ausgewertete Quellen kaum etwas finden; jedenfalls keine Tagebücher, keine Tageskalender, keine persönlichen Notizen. Die an sie geschriebenen Briefe hat sie nicht gesammelt oder aufbewahrt (siehe unten).
Dieser 'Mangel' läßt sich sicher auch damit erklären, daß Christine Lavant ihr Leben lang in räumlich äußerst beengten Verhältnissen gewohnt hat und keinen Platz hatte, um etwas aufzuheben - sie hatte praktisch nur einen Raum, den sie bis zum Tode ihres Mannes 1964 mit diesem teilte. Er mag sich auch damit begründen lassen, daß sie ihre Spuren eher verwischen als pflegen wollte. Es ist gleichermaßen denkbar, daß sie die Briefe gleich nach Erhalt wie zu bestimmten Zeitpunkten in Schüben vernichtete.
   Es gibt eine Passage in einem Brief an Hilde Domin, in der deutlich wird, welche Probleme sie im Aufbewahren von Briefen sah: "P.S. Da ich alle Briefe früher oder später verbrenne um keinen indiskreten 'Nachlaß' zu hinterlassen, weiß ich selten die Adressen meiner Brieffreunde. Ich selbst hab es mir zur Gewohnheit zu machen versucht, keinen Brief ohne 'Absender-Adresse' aufzugeben."19 Wie bereits erwähnt, sind die Briefe von und an Hilde Domin veröffentlicht worden - aber ohne diese Passage.
   Zu jeder Edition von Briefen gehört durchaus die Klärung 'moralischer' Erwägungen. Suchen wir in Christine Lavants Briefen nach Signalen, wieweit wir uns legitimiert oder nicht legitimiert fühlen dürfen, die Briefe von ihr zu veröffentlichen, erhalten wir verschiedene Antworten. Hat sie mit der Mitteilung an Hilde Domin indirekt sagen wollen, daß sie selbst nicht einen indiskreten Nachlaß bei anderen zu bilden wünscht, oder hat sie das genau nicht gesagt, weil sie es nicht gesagt hat? Natürlich hätten sich Briefe, in denen Christine Lavant aufgefordert hat, diese Briefe zu vernichten, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erhalten. Dennoch: Von uns danach gefragte BriefempfängerInnen sagten, daß an sie keine derartige Aufforderung ergangen sei. Es ist an anderer Stelle und ausgiebig zu erörtern, wieweit Christine Lavant ab einem gewissen Zeitpunkt mit einer Veröffentlichung ihrer Briefe (vielleicht in Auswahl) gerechnet haben könnte. Etwas läßt sich nach Kenntnis der bisher bekannten Briefe sagen: Nirgends kommt es zu Indiskretionen, werden Personen despektierlich betrachtet - ob wir dahinter nun eine Haltung ihrer Person oder einen Zusammenhang mit dem Medium sehen wollen. Für uns sind ihre Briefe immer menschliche Dokumente gewesen, denen man behutsam Kontinuitäten und Brüche eines

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Lebens ablesen mag. Und gerade in einer Fülle von Briefen ist die einzelne private Lebensmitteilung besser geborgen als in einer vereinzelnden Auswahl. Trotzdem und deswegen bleibt ein Gefühl, das Christine Lavant in einer Erzählung beschrieb: "Irgendwie fühlten sie sich wohl wieder dunkel im Unrecht dabei".20
   Daß in dem Wegwerfen oder der Vernichtung von Briefen, die sie erhielt, auch ein asketisches Moment - mit so wenig Ballast wie möglich durchs Leben zu gehen - zu suchen ist, kann nur vermutet werden; daß das eine Art Familientradition war, ebenfalls. Jedenfalls haben z.B. auch Christine Lavants Schwester Anni Wigotschnig und deren Sohn, der spätere Nachlaßverwalter Christine Lavants, Armin Wigotschnig, die Briefe von ihr nicht aufbewahrt bzw. haben sie vernichtet.
   Interviews mit Christine Lavant als weitere biographisch relevante Zeugnisse liegen nicht vor, weder auf Tonband noch gedruckt; es gibt einen kurzen Film, der für die Schulen gemacht wurde21.
   Nicht nur die Briefe, auch andere Quellen müssen also ziemlich mühsam erschlossen werden, ein Umstand, der anscheinend - zu lange - abschreckend gewirkt hat.

4. Quellenlage und Quellensuche

Biographische Informationen steuern die Suche nach Briefen - umgekehrt hat die Such- und Sammeltätigkeit Auswirkungen auf Überlegungen zur Biographie: So hat sich bisher kein Brief von Christine Lavant aus dem Zeitraum des Zweiten Weltkriegs gefunden.22 (Bislang sind im übrigen auch keine Werke aus dieser Zeit bekannt.) Ist es denkbar, daß Christine Lavant während des Krieges nichts geschrieben hat, daß sie zu dieser Zeit nichts von sich 'preisgeben' wollte, in dieser Zeit nichts von sich 'hinterlassen' wollte, daß sie bewußt Abstand nahm - oder handelt es sich um ein Überlieferungsproblem? Es gilt weitere Personen zu suchen, die sie während dieser Zeit gekannt und mit denen sie entweder schon vorher und dann wieder nachher oder direkt nachher korrespondiert hat.
   War der Briefwechsel mit Martin Buber ein interessanter Punkt, so wird jetzt mit unserer Kenntnis des Briefwechsels mit Tuvia Rübner vielleicht aus zwei Punkten eine Linie: Wir werden jetzt anfragen, ob in den Nachlässen von Werner Kraft und Gershom Scholem Briefe Christine Lavants enthalten sind.
   Im Nachlaß Christine Lavants finden sich gut 500 an sie gerichtete Korrespondenzstücke: über 300 Briefe von Werner Berg und seiner Familie, 46 offizielle Briefe von diversen AbsenderInnen, unter die hier sowohl Anfragen wie Geburtstagsgrüße von Ämtern oder Institutionen gezählt werden, 24 "Verehrerlnnenbriefe", 45 private Schreiben und 100 Postkarten. Letztere hat Chri-

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stine Lavant aber aller Wahrscheinlichkeit nach um der Motive willen behalten: Es lassen sich Häufungen ausmachen (grob zusammengefaßt: gotische Kunst - Skulpturen, Tafelbilder, Kathedralen, Gobelins; Chagall; Barlach). lm Kryptonachlaß Christine Lavants im Nachlaß Christine Wigotschnig23 finden sich 69 Korrespondenzstücke von und an (als Durchschlag24) Verlage.
   Abgesehen von den Briefen von Werner Berg geben - wie wir mittlerweile eindeutig sagen können - die im Nachlaß aufgefundenen Briefe an Christine Lavant keine Hinweise auf die Intensität der Kontakte. Von durchaus wichtigen Briefpartnerlnnen ist kein einziges Schreiben vorhanden (z.B. Paula Purtscher, Tuvia Rübner, Ingeborg Teuffenbach). Auch sind unter den privaten Briefen an Christine Lavant zum Teil einige, die man als 'belanglos' bezeichnen könnte. Möglicherweise ist dieser Bestand eben nur zufällig erhalten geblieben.
   Hinweise auf mögliche Kontakte bekommen wir durch ein persönliches Telefonregister Christine Lavants.
   Dann gibt es noch eine Anzahl von Personen, die sich aus verschiedenen Kontexten als mögliche KorrespondenzpartnerInnen anboten, aber - wie unsere Recherchen ergaben - mit Christine Lavant nicht korrespondierten (z.B. Paul Celan, Michael Guttenbrunner, Lotte Tobisch-Labotyn). Die Liste dieser Personen wird mitveröffentlicht, um Doppelanfragen zu vermeiden.
   Generell haben wir bei der Suche nach Briefen von Christine Lavant die Erfahrung gemacht, daß manchmal viel Mühe nur durch kleine Postkarten belohnt wird (oder überhaupt nicht), manchmal aber auch ein Anruf bei einer Telefonnummer, die man eigentlich eher vorsichtshalber gewählt hat, auf Anhieb zu einer freundlichen Korrespondenzpartnerin führt, die achtzig Briefe von Christine Lavant empfangen hat.
   Wir haben mittlerweile eine Sammlung von Kopien von über 1.100 Briefen. Die Originale sind zum Teil in Privatbesitz, zum Teil in Archiven: Deutsches Literaturarchiv, Marbach a.N. (DLA); Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Wien (DOKU); Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Innsbruck (FIBA); Jewish National and University Library, Jerusalem (JNL); Österreichisches Literaturarchiv, Wien (ÖLA); Robert-Musil-Institut, Klagenfurt (RMI); Wiener Stadt- und Landesbibliothek (WStLB).

Wenn man die EmpfängerInnen von Christine Lavants Briefen in Gruppen einteilen wollte, ergäben sich etwa folgende: Manche Briefe von 'VerehrerInnen' dürften Christine Lavant angesprochen haben, und so entwickelten sich ausführliche Korrespondenzen (Gerhard Deesen, Gerda Halik, Martita Jöhr-Rohr etc). Es gibt die Gruppe der 'MediatorInnen', wie die im Ausland lebenden, österreichische Literatur vermittelnden Maria Crone und Nora Purtscher-Wydenbruck (auch von diesen beiden Personen sind keine Briefe an Christine Lavant erhalten)

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oder die mit österreichischer Literatur im Inland befaßten Wieland Schmied und Viktor Suchy. Briefe Christine Lavants an diese beinhalten oft interessante kurze Selbstbiographien sowie Aussagen zu eigenen Werken und Datierungen von Werken. Im Umgang mit Verlagen zeigt sie sich als Verhandlungspartnerin, die gelegentlich poetisch, aber nicht undeutlich von ihren Wünschen und Vorstellungen spricht. Zu FreundInnen spricht sie über Persönliches, Erlebnisse, Familiengeschehen, Literatur etc., und nicht zuletzt reagiert sie auf ihr mitgeteilte Probleme.
   In die Sammlung und Datenbank aufgenommen werden auch Drittbriefe, sofern sie Lücken in der Lavant-Forschung kompensieren können. Da auf keine Briefe und Dokumente zwischen Christine Lavant und ihrem ersten Verleger bzw. Verlag zurückgegriffen werden kann, betrifft dies z.B. die Briefe Viktor Kubczaks bzw. des Brentanoverlages an diverse EmpfängerInnen (Paula Grogger, Edith Kleinmayr, Otto Müller Verlag). (Drittbriefe sind in der oben erwähnten Zahl von 1.100 Briefen nicht enthalten.)
   Verlagsverträge, Lieferscheine, Abrechnungen und andere bürokratische Stücke werden auf jeden Fall im Kommentar berücksichtigt. Manche von ihnen sind interessanter, als es den Anschein haben mag. Die in der Korrespondenz Christine Lavants mit dem Otto Müller Verlag (im Verlagsarchiv) befindlichen Durchschläge von Lieferscheinen belegen einerseits Einzelveröffentlichungen (z.B. in Anthologien) - der Verlag sandte seiner Autorin die Belegexemplare -, andere Lieferscheine wiederum belegen mögliche Lektüren Christine Lavants.
   Noch lebende BriefpartnerInnen betrachten wir als Beitragende: Sie können nicht nur wichtige Erläuterungen zum Inhalt der Briefe geben, sondern möglicherweise auch Anregungen zur Weitersuche oder zur Biographie. Leider sinkt die Wahrscheinlichkeit, auf BriefpartnerInnen zu treffen, von Jahr zu Jahr. Wenn KorrespondenzpartnerInnen versterben, werden Nachlässe oft vernichtet oder verstreut. Es ist deshalb immer wieder sinnvoll, darauf hinzuweisen, daß in Archiven Materialien sicher gelagert und wissenschaftlich aufgearbeitet werden können.

5. Die Edition: CD-Rom und Auswahlband

Der Gesamtbriefwechsel Christine Lavants ist als Hybridedition konzipiert, d.h. es wird eine elektronische und eine gedruckte Version (in Form eines Auswahlbandes) geben.
   Alle Briefe sollen in einer Volltextdatenbank gesammelt und verwaltet, textkritisch bearbeitet und kommentiert werden. Diese Datenbank wird als CD-Rom herausgegeben werden. Für die Hypertextdatenbank wählten wir das

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Programm Folio Views (es funktioniert auf Windows-Basis), nicht zuletzt, weil bei der Edition des Wittgenstein-Gesamtbriefwechsels damit schon viele Erfahrungen gesammelt worden sind.21
   Wiewohl wir uns noch in der Sammelphase befinden (und diese nie ganz abgeschlossen sein wird), fallen editorische Entscheidungen jetzt schon kontinuierlich mit der Aufnahme der Briefe in die Datenbank an.
   Eine Datenbank als "work in progress" erlaubt an jeder Stelle und zu jeder Zeit die Einarbeitung neuer und weiterer Daten und Dokumente; sie ist immer aktuell, jedenfalls aktualisierbar, und entspricht der durch die Funde der Briefe eigenen Dynamik des Projekts.26 Mit Hilfe der Datenbank kann man zu jeder Zeit grundsätzliche und/oder spezielle Anfragen der (Lavant-)Forschung optimal beantworten. Verständlicherweise werden dabei keine ganzen Briefe oder Konvolute zur Verfügung gestellt.
   Die Auswahl der Briefe für den Auswahlband erfolgt nach Maßgabe der Wichtigkeit, die ihnen im Zusammenhang mit der Biographie der Autorin, in Werkzusammenhängen, im kulturellen und literaturhistorischen Zusammenhang und im literarischen Sinne zugestanden wird. In einem Nachwort sollen die ausgewählten Briefe u.a. in den Kontext des Gesamtbriefwechsels gestellt werden. Da die Auswahlausgabe in Textbestand und Kommentar auf den Ergebnissen des Gesamtbriefwechsels beruhen wird, beziehen sich die folgenden Ausführungen auf die elektronische Gesamtausgabe.
   Beide Publikationen, CD-Rom und Auswahlband, werden im Otto Müller Verlag, Salzburg, erscheinen, der seit 1956 der Verlag Christine Lavants ist und seit dem Verkauf des Nachlasses 1994 auch die Rechte an ihrem Werk hält.

Ungefähr ein Drittel der uns bislang vorliegenden Briefe ist nicht datiert. Nicht immer läßt dann der Inhalt des Briefes auf das (ungefähre) Datum der Niederschrift schließen. Datierungshilfen sind die in einigen Fällen von den EmpfängerInnen angebrachten Empfangsdaten (z.B. Gerhard Deesen, Erentraud Müller, Otto Scrinzi) sowie Kuverts mit Poststempel, so sie zugeordnet werden können; auch die Benutzung persönlichen Briefpapiers. Papier und Beschriftung sind als Datierungshilfen mit noch größerer Vorsicht zu genießen. Denn wie wir von den Werkmanuskripten und -typoskripten wissen, verwendete Christine Lavant z.B. innerhalb mehrerer Prosamanuskripte jeweils verschiedene Papierarten. Man kann die verwendete Schrift - ob deutsch, ob lateinisch - als ungefähre Datierungshilfe benutzen. Das Schriftbild jedoch kann keinen Hinweis auf das Datum der Niederschrift geben: Durch Medikamenteneinfluß war die Schrift Christine Lavants nicht nur mit fortgeschrittenem Alter verwackelt, und sie war es auch nicht kontinuierlich.
   Eine Datierungshilfe könnten Fehler der Schreibmaschine, wie etwa hochge-

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rutschte Buchstaben, sein. Diese wurde immer wieder repariert, und die Reparaturen sind zum Teil brieflich bezeugt.
   Ob Christine Lavant mit der Hand oder der Maschine schrieb, hing nicht mit dem Grad der Intimität des Briefes zusammen, sondern hatte oft praktische Gründe: Um die Mittags- oder Abendruhe ihres Mannes in der winzigen Ein-Zimmer-Wohnung nicht zu stören, schrieb sie Briefe zu solchen Zeiten mit der Hand. Christine Lavant war zeitweise durch den Einfluß von Medikamenten zittrig, sie wählte die Schreibmaschine, wenn ihr ihre Handschrift zu unleserlich erschien.
   Ob man von der Tatsache, daß Briefe mit Datum versehen sind oder nicht, darauf rückschließen kann, daß Christine Lavant selbst diese Briefe - bewußt oder unbewußt - eher in einem privaten oder einem offiziellen Zusammenhang sah, daß sie vielleicht sogar bei bestimmten Empfängerlnnen den Eindruck von 'Weltverbundenheit' oder 'Weltfremdheit' erzeugen wollte, daß literarische Briefe eher undatiert sind, ist - wohl über eine Statistik - noch genauer zu untersuchen.

Der Kommentar setzt sich zum Ziel, die Quellen abzusichern und Sachverhalte, ohne deren Kenntnis ein Verständnis des Briefes nicht angenommen werden kann, plausibel zu machen (z.B. biographische, historische, kulturelle und literarische Bezüge). Außerdem werden Dialektausdrücke und Besonderheiten des österreichischen Deutsch kommentiert. Angaben zu in gängigen Konversationslexika auffindbaren Personen, Orten, historischen Daten und Fakten sowie die Erklärungen von geläufigen Fremdwörtern werden als unnötig betrachtet.
   Der Kommentar kann, wenn von Christine Lavants Werken gesprochen wird, auf die im Zuge der Werkausgabe entstehende elektronische Erfassung aller Werkzeugen zurückgreifen. Umgekehrt haben wir in der Briefausgabe ein suchbares "Feld" (s.u.) für Erwähnungen von Lavant-Werken eingerichtet.
   Alle irgendwie relevanten Personen werden - mit einer entsprechend knapperen oder umfangreicheren Biographie - in einem eigenen Bereich alphabetisch aufgelistet; über die Inhaltsfunktion läßt sich leicht auf dieses Personenverzeichnis zugreifen. Darüber hinaus haben wir bei der Arbeit stets die Möglichkeit, neu aufgefundene Briefe an entsprechender Stelle einzufügen, ohne den gesamten Kommentar umarbeiten zu müssen. (Für diesen Hinweis danken wir Monika Seekircher.)
   Der Kommentar setzt sich darüber hinaus zum Ziel, intertextuelle Bezüge zu verzeichnen, vor allem Lavant-interne: Sind 'Poetereien' aus den Briefen in das Werk übernommen worden - oder umgekehrt?
   Als stetige begleitende Arbeit und wesentliche Hilfe für die Kommentierung von Briefen wie Werken sehen wir die Erstellung einer Lavant-Chronik mit

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detaillierten (und im einzelnen nachgewiesenen) Informationen, die aus den Briefen gewonnen wurden. Die Chronik, die zudem noch aus weiteren dokumentarischen Quellen (Pässe, Meldezettel etc.) gespeist wird, soll ein Fakten-Gerüst für eine zu schreibende Biographie sein. Die Chronik wird auf der CD-Rom zur Gänze, im Auswahlband gekürzt als Hintergrundinformation angeboten.

In der Datenbank ergibt sich die Möglichkeit verschiedener Ordnungen der Korrespondenzen. Wir ordnen sie bei der Eingabe nach Datum. Durch - mittels Felder, Gruppen und Struktur der Datenbank vorgesehene - Suchvorgänge ist es jedoch möglich, Briefe z.B. nach BriefpartnerInnen, nach Zeiträumen oder nach An- oder Von-Briefen zusammenzustellen und nur diese zu betrachten, zu durchsuchen etc. Wörter und/oder Begriffe können einfach und verknüpft (mittels Boolescher Operatoren) gesucht werden. Text und Kommentar sind durch Sprungverknüpfungen (durch Anklicken kann man vom Text zum dazugehörigen Kommentar springen und umgekehrt) verbunden. Es sind "Felder" eingerichtet, denen Informationen aus den Briefen abfragbar zugeordnet werden; wir überlegen z.B. das Einrichten eines Feldes "Poetologie", bei dem auf Klick alle Äußerungen zum Thema angezeigt werden und man die einzelnen Stellen direkt aufsuchen kann. Solch eine Zuordnung ist natürlich im Einzelfall zu diskutieren. Wo fängt die "Poetologie" an? Ist eine Aussage wie die Betonung, Baruscha sei eine "völlig erfundene Erzählung von völlig erfundenen Gestalten in einer völlig erfundenen Stadt" (an Nora Purtscher-Wydenbruck, 19.4.195127) poetologisch? Ist sie es nur, wenn man sich an die Aussage an dieselbe Adressatin vom 21.3.1951 erinnert: "Ich kann ja nichts Unwirkliches schreiben [...]"28? Andere "Felder" sind z.B. die erwähnte Literatur/Lektüre, Personen, Werke Christine Lavants etc.

Natürlich ist es das Ziel, die spezifischen Formelemente der einzelnen Briefe weitestmöglich zu erhalten. Vereinheitlichungen werden jedoch unausweichlich sein. Wie das Erscheinungsbild des einzelnen Briefes letztlich aussehen wird, ist noch nicht geklärt. Überhaupt werden manche editorischen Entscheidungen erst sinnvoll zu treffen sein, wenn der Materialbestand sich als weitgehend vollständig und 'stabil' abzeichnet.
   Da die Gesamtheit der Briefe nur auf CD-Rom lesbar sein wird, war unsere Überlegung, wie wir den LeserInnen und BenutzerInnen dieser Version sowohl die textkritischen Informationen als auch einen angenehm zu lesenden Fließtext anbieten können. Bei der Textdarstellung ist Lesbarkeit oberstes Kriterium. Wir entschieden uns, einen Teil der Informationen zum Text 'versteckt' im Text zu formatieren. D.h.: In der normalen Ansicht ist nur der Fließtext zu sehen. Mittels

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Mausklick kann eine weitere Ebene sichtbar gemacht werden, in der folgende Informationen angeboten werden: textkritische Informationen, der Hinweis auf kommentierte Stellen, Verweise auf "Felder" und "Gruppen". Die verborgene Ebene enthält zudem Schreibungen, die der Suchbarkeit dienen: Schreibt Christine Lavant z.B. in einem Brief das Wort "Taback", so ist es im Fließtext als solches suchbar; in der verborgenen Ebene findet sich, unmittelbar dahinter, die korrekte Schreibung "Tabak", um diese ebenfalls suchbar zu machen. Manche orthographischen Besonderheiten Christine Lavants z.B. lassen die mündliche dialektale Umwelt (bewußt) anklingen.
   Um den Benutzerlnnen sowohl die Möglichkeit zur Überprüfung von Darstellung und Transkription wie auch einen optischen Eindruck zu geben, der möglicherweise zu weiteren, von uns nicht berücksichtigten Fragestellungen und Erkenntnissen führen kann, sicher jedoch ein direkteres und freudigeres Verhältnis zu den Texten herstellt, möchten wir die Briefe auch als Scans anbieten. Das würde besonders auf der Ebene der Transkription sinnvolle Entlastungen bedeuten.29
   Ob tatsächlich alle Briefe gescannt werden können, und wieviele, wenn nicht alle, ob schwarz-weiß oder farbig ausgeführt und in welcher Auflösung, ob nötigenfalls nur von der uns vorliegenden Kopie (um aufwendige Reisen, Aufträge oder Versendungen zu sparen), ist ungewiß. Sicher werden alle im FIBA aufbewahrten Briefe angeboten.

6. Erkenntnisinteresse

Im Gesamtbriefwechsel sehen wir die solideste Basis für eine Biographie. Bereits jetzt läßt sich anhand der zusammengeführten Briefe ein 'Netz' von Informationen erkennen, das im Bereich der Biographie Fakten erschließt bzw. sichert (z.B. Briefe an Erentraud Müller und Maja Lampersberg, eine Reise nach Wien 1961 betreffend).

Wir erfahren etwas über das Verhältnis der Autorin zu ihrem Schreiben, zum Problem der Professionalität (so in Briefen an Christine Busta und Nora Purtscher-Wydenbruck über die geplante Veröffentlichung einer Erzählung im Jahr 1950/1951). Eine Äußerung zu ihrem Schreiben sei zitiert, denn sie könnte auch Aufschluß geben über die Frage, wie und wo Christine Lavant ihre Veröffentlichungen plaziert haben wollte und könnte - außerhalb Österreichs und in einer anderen Sprache?

Es ist Umgang, Laurentius. Ich wagte mich nahezu nicht aufs Postamt weil ich fürchtete

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die Kirchleute zu treffen. Bekannte Bauersleute, die alle - seit hier das "Krügleich" [sic] bekannt worden ist - eine Riesenwut auf mich haben. Das ist mir nicht gleichgültig, aber ich kann nichts mehr dagegen machen; - wenn ich geahnt hätte, dass die Bücher je auch nach Osterreich eingeführt werden würden, so hätte ich sie sicher nie geschrieben. Das ist das schwere wenn man als Dichter nur aus der Wahrhaftigkeit etwas holen kann, dass man dann Vorgänge blosslegt und in die Öffentlichkeit bringt, die besser verborgen bleiben. Ich habe grosse Mühe das Gefühl der Schuld von mir wegzuschieben. Hätte ich die Mittel so ging ich von hier weg, trotzdem ich sehr unter Heimweh litte. (An Nora Purtscher-Wydenbruck, 11.8.1951)30

Zahlreiche, oft nur knappe poetologische Andeutungen Christine Lavants - einer Autorin, die sich schriftlich nie und mündlich höchst selten im Sinne einer Theorie zu ihrem Schreiben geäußert hat - lassen sich in der Zusammenschau in Richtung eines schriftstellerischen Selbstverständnisses fassen.

Die Briefe Christine Lavants sind großteils als eigenständiger Teil ihres Werkes zu betrachten. Hier wird aus dem vermutlichen Gebrauchstext 'Brief' eine literarische Gattung. Diese Feststellung beruht nicht nur auf der heutigen Praxis eines prinzipiell erweiterten Werkbegriffs, die Briefe von LiteratInnen ohnehin in engen Bezug zum Werk setzt, sondern auf der Literarität der Briefe, verstanden als besondere Verwendung der Sprache. Die Briefe zeigen viele Tonarten, viele Facetten zwischen Kommunikationssprache, rhetorischer Sprache, literarischer Sprache. Sie weisen einen Weg ins Werk und kontrastieren das Werk zugleich.
   Zudem sind Christine Lavants Briefe Zeugnisse eines Schreibens in Krisensituationen. In Zeiten angeblichen "dichterischen Verstummens" könnten die Briefe eine Möglichkeit gewesen sein, mit Sprache dennoch literarisch umzugehen. Zumindest nehmen die Briefe Christine Lavants im Rahmen des Problems der poetischen Kreativität eine Mittelstellung zwischen Werk und persönlicher Darstellung ein. Die Betrachtung der Briefe auch als Werk begründet den textkritischen Ansatz der Ausgabe.

Für Christine Lavant bot das Medium Brief besondere Möglichkeiten. Körperlich relativ unbeweglich, außerdem schwerhörig und schwersichtig, hatte sie Schwierigkeiten, sich in fremder Umgebung zu bewegen; Reisen waren immer ein gewisser Aufwand, Telephonate anstrengend. Ihre Depressionen erschwerten phasenweise persönliche Kontakte - der Brief könnte ein Mittel des kontrollierten Kontaktes gewesen sein. Und: In Briefen läßt sich Kreativität vielleicht in eine Zwischenmenschlichkeit statt in, wie sie sich in bezug auf ihre Werke selbst verdächtigt, rücksichtslos-eigenbezogenes Schaffen gießen.

Christine Lavants Korrespondenz ist auch von kulturgeschichtlichem Interesse.

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Christine Lavant war - ganz im Gegensatz zu der über sie weit verbreiteten Meinung - zumindest in ihren guten Zeiten sozial sehr rege und pflegte zahlreiche Kontakte mit FreundInnen und Bekannten, mit Schriftstellerkolleglnnen, VerlegerInnen, anderen KünstlerInnen und Verehrerlnnen. Immer wieder als "Heimatdichterin" reklamiert, wird ein Blick auf die Briefe bestätigen, welch überregionalen Aktionsradius sie hatte.
   Christine Lavants Briefwechsel gibt ein eindrucksvolles Bild von der künstlerischen und literarischen Landschaft Nachkriegsösterreichs bis zum Anfang der 70er Jahre, manchmal in Verbindung mit den wissenschaftlich gut dokumentierten Geschehnissen in Wien, manchmal unabhängig davon in Zusammenhängen der 'Provinz'. Auch in der 'Provinz' erfolgte nach 1945 die Auseinandersetzung mit der österreichischen Kultur der Moderne sowie mit zeitgenössischen Strömungen - wenn auch gehemmt. In vielem war man jedoch auch dort weit entfernt davon, im 'Provinziellen' zu verbleiben - man denke etwa an den Tonhof der Lampersbergs bei Maria Saal, die "Sommerfrische der Wiener Avantgarde"31, wo viele damals junge österreichische KünstlerInnen ein Forum hatten. Mit Maja und Gerhard Lampersberg war Christine Lavant befreundet. Die verschiedenen Briefwechsel Christine Lavants erweisen ihr Leben als Beispiel für ein unprovinzielles Leben in der Provinz. Die Bewegung über das Mittelmaß hinaus, das sich vielfach in den Provinz(haupt)städten sammelte, wurde oftmals vom Medium des Briefes getragen.

Literaturhistorisch betrachtet, gilt der Brief als weibliche Gattung. Voraussetzungen für diese Auffassung sind einerseits Analysen der gesellschaftlichen Stellung von Frauen (ihre relative räumliche Unbeweglichkeit) sowie andererseits die Zuweisung von Geschlechterrollen innerhalb einer literarischen Ästhetik ('richtige' literarische Werke waren Männern vorbehalten, Briefe galten aber nicht als 'richtige' Werke). Zu bestimmten Zeiten ihres Lebens trafen für Christine Lavant diese Umstände zu: familiäre Verpflichtungen ließen Reisen nicht zu; sie wollte ihre Familie - ihre Schwestern und deren Kinder, sie selbst war kinderlos - versorgt wissen, ehe sie sich dem Schreiben widmete - dieser Druck und das Leiden darunter könnten zum Ausweg des Schreibens von Briefen geführt haben.
   Interessant wäre auch eine genauere Kenntnis von Christine Lavants Erwerbstätigkeit als Strickerin in ihren häuslichen, ökonomischen und emotionalen Kontexten. Nur im Briefwechsel haben sich Äußerungen von ihr dazu überliefert (z.B. Briefe an Gerda Halik oder ein Absatz im Brief an Joachim Moras vom 6.4.1957: "Seit dem Tod meiner beiden Eltern 1937 - 1938, lebe ich hier in St. Stefan als Strickerin. 1945 begann ich zu schreiben."32).

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Die Briefe stellen einen zentralen Fundus für eine Kommentierung der literarischen Werke Christine Lavants dar. Der Bezug auf sie verringert das Risiko spekulativer Kommentare und des Überschreitens der Grenze zur Interpretation. Nur in der geplanten elektronisch handhabbaren Form ermöglichen die Briefe, im Falle von Datierungen, Namen, Orten, Ereignissen, Lektüren etc. rasche und umfassende Auskunft zu geben (jeweils unter Berücksichtigung des Prinzips der Selbstaussage).
   Briefe geben Auskunft über die Veröffentlichungsgeschichte von Texten (wie z.B. die Erwähnung eines "Generalvertrags" mit dem Brentanoverlag in einem Brief an Jeannie Ebner, 15.6. 195133) sowie zur Art der Werkentstehung. Mehr oder weniger angenäherte, immerhin aber seriös eingegrenzte Datierungen der Werke - allein im Nachlaß Christine Lavants im RMI werden 600 unveröffentlichte Gedichte ohne Datierungen aufbewahrt - werden mit Hilfe der Briefe, die meist datiert bzw. datierbar sind, am ehesten möglich sein: einmal über die explizite Erwähnung (so in den Briefen an Nora Wydenbruck), ein andermal über Beilagen (etwa zu Briefen an Otto Scrinzi) oder über einen Materialvergleich (wenn ein Blatt mit einem Gedicht in Papier, Schreibgerät, Schreibmaschineigenheiten einem datierten Brief gleicht). Auch Datierungsversuche über den Wortbestand (hierzu gehören auch Eigenheiten der Rechtschreibung) lassen sich nur anhand des direkten Vergleichs mit datierten Briefen machen, die dazu wiederum elektronisch suchbar zur Verfügung stehen müssen.
   Briefe geben zudem Aufschluß über die Arbeitsweise der Autorin - sei es, daß diese in Briefen über sie spricht, sei es, daß man sie an den Briefen sehen kann. Diese Kenntnisse sind für die editorische Aufbereitung und (textgenetische) Präsentation der literarischen Texte in der Werkausgabe von größtem Nutzen.
   Über Briefe wurden und werden für die Werkausgabe auch Werke ausfindig gemacht: sei es als Beilage (Gedichte) oder über Erwähnungen. BriefempfängerInnen, die von Werken schreiben, könnten immer auch deren potentielle BesitzerInnen sein (was besonders auf Verlage zutrifft).
   [Stand: Mai 2000]

Wir möchten an dieser Stelle allen Archiven und Privatpersonen, die uns ihre Hilfe und ihre Materialien zur Verfügung stellen, sehr herzlich für ihre Unterstützung danken. In der Ausgabe wird das ausführlich und detailliert geschehen.

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Anmerkungen

1 Vgl. Ursula A. Schneider: Christliche Dichterin oder Hexe? Christine Lavant in der Rezeption. In: Das Geschlecht das sich (un)eins ist? Frauenforschung und Geschlechtergeschichte in den Kulturwissenschaften. Hg. von Sieglinde Klettenhammer und Elfriede Pöder. Innsbruck-Wien-München 1999, S. 142-159. Annette Steinsiek: Was kann sein - Überlegungen zum biographischen Umgang mit Christine Lavant. Am Beispiel "Ingeborg Teuffenbach: Christine Lavant. Zeugnis einer Freundschaft". In: Annette Steinsiek: Christine Lavant und Ingeborg Teuffenbach. Kommentierte Edition der Briefe Christine Lavants an Ingeborg Teuffenbach und kritische Beleuchtung des Erinnerungsbuches von Ingeborg Teuffenbach. Phil. Diss. Innsbruck 1998, S. 213-232.
   2 Christine Lavant: Briefe. In: ensemble 5 (1974), S. 133-157.
   3 Steige, steige, verwunschene Kraft. Erinnerungen an Christine Lavant. [Hg. von Ida Weiss.] Wolfsberg 1978, 21991.
   4 Dies zeigt sich z.B. an der mangelnden Sorgfalt der Edition in ensemble (vgl. Anm. 2), in der Briefe stark und verzerrend gekürzt worden sind. Dazu ausführlicher Anm. 17.
   5 Vgl. v.a. Ingeborg Teuffenbach: Christine Lavant - "Gerufen nach dem Fluß". Zeugnis einer Freundschaft. Mit einem Nachwort von Manon Andreas-Grisebach. Zürich 1989, 21994. - Daß darin die Gefahr liegt, Briefe bzw. Briefstückchen als Unterfutter für eine schon feststehende Interpretation zu verwenden, ist in diesem Falle nachgewiesen worden: vgl. Steinsiek (Anm. 1).
   6 Vgl. Christine Lavant: Kunst wie meine ist nur verstümmeltes Leben. Nachgelassene und verstreut veröffentlichte Gedichte - Prosa - Briefe. Ausgewählt und hg. von Armin Wigotschnig und Johann Strutz. Salzburg 1978. Christine Lavant: Kreuzzertretung. Gedichte, Prosa, Briefe. Hg. von Kerstin Hensel. Leipzig 1995.
   7 Christine Lavant - Hilde Domin: Briefwechsel. In: Über Christine Lavant. Leseerfahrungen - Interpretationen - Selbstdeutungen. Hg. von Grete Lübbe-Grothues. Salzburg 1984, S. 142-166.
   8 Vgl. Andrea Erhart: Nora Purtscher-Wydenbruck (1894-1959). Mediator Between the English and German-Speaking Cultures: Rilke, Eliot, Lavant, Braun, Janstein. Including Chronological and Bibliographical Data about her Life and Work. Phil. Diss. Innsbruck 1999, S.379-399.
   9 Ilija Dürhammer/Wilhelm Hemecker: "... nur durch Zufall in den Stand einer Dichterin geraten". Unbekannte autobiographische Texte von Christine Lavant. In: Sichtungen 2 (1999), S. 97-126.
   10 Ludwig von Ficker: Briefwechsel 1940-1967. Hg. von Martin Alber, Walter Methlagl, Anton Unterkircher, Franz Seyr und Ignaz Zangerle. Innsbruck 1996 (= Brenner-Studien Bd. 15).
   11 Vgl. Wolfgang Wiesmüller: "Ein Morgenlicht, wenn wir wollen!" Das Lavant-Bild Ludwig von Fickers und die christliche Rezeption der Dichterin. In: Die Bilderschrift Christine Lavants. Studien zu Lyrik, Prosa, Rezeption und Übersetzung. 1. Internationales Christine Lavant Symposion Wolfsberg 11.-13. Mai 1995. Hg. von Arno Rußegger und Johann Strutz. Salzburg-Wien 1995, S. 149-177. Vgl. auch Wolfgang Wiesmüller: "Lobrede auf eine Dichterin". Ludwig von Fickers Rede zur Verleihung des Trakl-Preises an Christine Lavant 1964. (Zum 80. Geburtstag der Dichterin am 4. Juli 1995). In: Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 14 (1995), S. 101-110.

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   12 Christa Gürtler: "Fluchtwurzel" oder "Spindel im Mond"? Anmerkungen zum Briefwechsel zwischen Christine Lavant und dem Otto Müller Verlag. In: Die Bilderschrift Christine Lavants (Anm. 11), S. 178-192.
   13 Christine Lavant: Herz auf dem Sprung. Die Briefe an Ingeborg Teuffenbach. Im Auftrag des Brenner-Archivs (Innsbruck) hg. und mit Erläuterungen und einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek. Salzburg-Wien 1997.
   14 Seit 1998 sind wir Mitarbeiterinnen der Kritischen Ausgabe der Werke Christine Lavants am Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv (RMI), Klagenfurt. Daneben arbeiteten wir weiter an der Briefausgabe. Für die Werkausgabe war an eine Aufarbeitung der Briefe nicht gedacht.
   15 Christine Lavants Nachlaß wurde 1994 vom Land Kärnten gekauft und dem RMI zur Bearbeitung überlassen.
   16 Bislang gibt es über Christine Lavant keine Biographie. Eine gewisse biographische Annäherung bildet das Erinnerungsbuch, das Ingeborg Teuffenbach über ihre Freundin schrieb (Anm. 5); es enthält allerdings nicht nur viele sachliche Fehler, sondern transportiert ein Lavant-Bild, das nicht zuletzt mittels fragwürdiger Eingriffe wie Zerschneiden und Falschdatieren der Briefe gestützt wird (vgl. Steinsiek, Anm. 1).
   17 Zit. nach Kunst wie meine ist nur verstümmeltes Leben (Anm. 6), S. 234 (eckige Klammer an zitierter Stelle). Hier wurden die Briefe an Deesen, nochmals gekürzt, aus der Veröffentlichung von 1974 (Anm. 2) nachgedruckt (Ausnahme ist ein erstabgedruckter Brief). Wir zitieren hier wider besseres Wissen diese zugängliche Ausgabe - als Repräsentantinnen der bisherigen Rezeption. Wer die Briefe in der neuen Ausgabe lesen wird, wird selbst sehen können, daß schon in ensemble (Anm. 2) die Briefe oft ohne Nachweis stark und verzerrend gekürzt wurden, daß Satzzeichen sinnentstellend eingefügt bzw. ersetzt wurden, ganz abgesehen von Lesefehlern. Der Satz lautet im Original: "Überhaupt ist mir das Dichten so peinlich. Es ist schamlos. O wäre ich gesund u. hatte 6 Kinder um für sie arbeiten zu können. Das ist Leben. Kunst wie meine ist nur verstümmeltes Leben eine Sünde wider den Geist unverzeihbar." (Deutsches Literaturarchiv, Marbach a.N. [DLA], Nachlaß [NL] Gerhard Deesen, Sign. 90.13.94/3). Wenige Stellen aus Christine Lavants Briefen sind so oft zitiert worden wie diese. Uns scheint, daß z.B. das "O" durchaus als Signal für eine rhetorische Ebene gelesen werden kann.
   18 Unveröffentlicht. Original in Privatbesitz, Kopie in der Kopiensammlung Gesamtbriefwechsel Christine Lavant, Forschungsinstitut Brenner-Archiv (FIBA), Innsbruck (KGCL).
   19 Ohne Datum [1965]. Unveröffentlicht. Original in Privatbesitz, Kopie KGCL.
   20 Christine Lavant: Das Wechselbälgchen. Hg. und mit einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider. Salzburg-Wien 1998, S. 24.
   21 Innerhalb der Reihe "Zu Gast bei ..." wurde am 4.6.1968 eine halbstündige Schulfunksendung des ORF über Christine Lavant im Fernsehen ausgestrahlt; Buch: Jeannie Ebner, Hermann Lein.
   22 Markantes Beispiel bisher: Der Bestand der Korrespondenz mit Adolf Purtscher, Paula Purtscher und Gertrud Purtscher-Kallab (als drei verschiedene Konvolute zu betrachten) beginnt vor dem Krieg (letzter Brief vor dem Krieg: Hochzeitsanzeige an Adolf Purtscher, Poststempel 27.4.1939) und wird danach mit allen drei Personen (erster Brief nach dem Krieg: an Paula Purtscher, 20.10.1945) fortgesetzt, ohne daß auf vorherige Briefe Bezug genommen würde. - Alle Briefe unveröffentlicht. Originale Stiftung Hans Schmid, Kopien KGCL.

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   23 Mit dem Nachlaß wurde in der Zeit zwischen dem Tod Christine Lavants 1973 und dem Verkauf 1994 gearbeitet. Unter anderem hat Christine Wigotschnig, die Tochter des Nachlaßverwalters und Lavant-Forscherin, bereits wichtige und umfangreiche Ordnungen vorgenommen. Christine Wigotschnig verstarb im Jahr 1994 und hinterließ Forschungsvorarbeiten und -ergebnisse, die die Bildung eines eigenen Nachlasses Christine Wigotschnig am RMI veranlaßten. So wurde Material aus dem ursprünglichen Bestand, wie er nach dem Tode der Dichterin vorlag, zum Kryptonachlaß im Nachlaß Christine Wigotschnig.
   24 Bis zum erhofften Auffinden der Originale in Verlagsarchiven stehen diese Durchschläge für die abgesandten Briefe und werden gezählt.
   25 Vgl. den Beitrag von Monika Seekircher in diesem Band.
   26 Seit 15. März 2000 wird der "Gesamtbriefwechsel Christine Lavants" vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) auf drei Jahre mit zwei halben Stellen gefördert. Wir danken: dem FWF für die finanzielle Unterstützung; A. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Wiesmüller (Institut für Germanistik der Universität Innsbruck, für das Forschungsinstitut Brenner-Archiv) und Ass.-Prof. Dr. Arno Rußegger (Robert-Musil-lnstitut für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv) für die Unterstützung als Antragsteller und Projektleiter beim FWF; Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl (Forschungsinstitut Brenner-Archiv) für die Bereitstellung der Forschungsstätte.
   27 Zit. nach Erhart (Anm. 8), S. 388.
   28 Zit. nach Erhart (Anm. 8), S. 381.
   29 Vgl. unsere Ausführungen zum Thema Faksimilierung: Ursula A. Schneider/Annette Steinsiek: Auf dem Weg zur Kritischen Ausgabe der Werke Christine Lavants. In: Profile einer Dichterin. Beiträge des II. Internationalen Christine-Lavant-Symposions Wolfsberg 1998. Hg. von Arno Rußegger und Johann Strutz. Salzburg-Wien 1999, S. 15-43, hier S. 29f.
   30 Zit. nach Erhart (Anm. 8), S. 392.
   31 Maria Fialik: Der Charismatiker. Thomas Bernhard und die Freunde von einst. Wien 1992, S. 103.
   32 Unveröffentlicht. Original DLA, Kopie KGCL.
   33 Unveröffentlicht. Original WStLB, Kopie KGCL.

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